Ende der Freibad-Saison

Pommesduft und Kindergeschrei: Fünf Gründe, warum es ohne Freibad kein echter Sommer ist

Schwimmbecken, Liegewiesen, Umkleidekabinen: Das Freibad, wie wir es heute kennen, gibt es seit rund 100 Jahren. Es ist nicht nur eine Stätte für Sport und Erholung, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Für viele Deutsche ist es im Sommer der ultimative Sehnsuchtsort. Mitte September endet die Saison, doch die Erinnerungen an den Sommer und das kühle Nass bleiben.

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Von Autor/in Hannegret Kullmann

Schaffe ich es heute ins Freibad? – Das ist für viele Menschen eine drängende Frage, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel strahlt und Temperaturen um die 30 Grad angekündigt sind. Der Sprung ins kühle Nass und das Lümmeln auf der Liegewiese, kombiniert mit dem Duft von Sonnencreme und Pommes, entreißt uns dem Alltag und macht uns glücklich.

Liegewiese und Schwimmbecken in Freibad Stuttgart
Auszeit im Sommer: Ein paar Stunden im Freibad können wie ein Kurzurlaub wirken.

Schon als Kleinkinder stehen wir auf wackeligen Beinen im Planschbecken, als Teenager zelebrieren wir die Arschbombe und mit Ü-60 sichern wir uns früh morgens eine der wenigen Sonnenliegen, um danach diszipliniert unsere Bahnen zu ziehen. Die Deutschen lieben ihre Freibäder und zelebrieren im Sommer ihre ganz eigene Freibad-Kultur.

Wir haben fünf Gründe zusammengetragen, die das Freibad zu einem magischen Ort machen:

1. Freibadmode: Bikini oder Badeanzug?

Ein schwarzer Bikini mit Herzchen hängt an einer Wäscheleine
Den klassischn Zweiteiler gab es schon in der Antike. Doch manchen Frauen bietet er einfach zu wenig Stoff.

Wer am Mittelmeer Urlaub macht, weiß es: Italienerinnen tragen ihren Bikini bis ins hohe Alter – und das mit großer Selbstverständlichkeit. Ein gelungenes Beispiel für Body Positivity! Ganz anders hingegen die deutschen Frauen: Für sie scheint es eine unsichtbare Altersgrenze zu geben, ab der sie stillschweigend auf den Badeanzug umsteigen.

Auch bei den Männern gibt es zwei Fraktionen: Die einen tragen weite Badeshorts, die anderen einen Schwimm-Slip. Mit schmalem Seitensteg wirkt er sportlich, mit breitem wie eine Retro-Klamotte. Das Männermagazin „GQ“ rät, den knappen Slip ohne Körperkritik und mit absoluter Nonchalance zu tragen. Am besten mit einer Sonnenbrille kombiniert.

2. Freibad-Naturismus: FKK

Ein nacktes Paar von hinten sitzt im Freibad am Rand eines Schwimmbeckens.
Das Gefühl von absoluter Freiheit: FKK soll gut für die Psyche sein.

Über zu viel oder zu wenig Stoff müssen sich die Anhänger der Freikörperkultur (kurz FKK) keine Gedanken machen. Die sogenannten Naturisten schwimmen und sonnen sich einfach so, wie die Natur sie geschaffen hat. Sie lassen Licht, Luft und Wasser direkt an ihren Körper heran, um das Gefühl von Freiheit und Verbundenheit mit der Natur zu genießen.

Doch Vorsicht: In den meisten Freibädern ist FKK verboten! Mancherorts gibt es eine Extra-Wiese hinter einem blickdichten Bretterzaun. Völlige Freiheit garantieren nur ausgewiesene FKK-Zonen an Stränden und Seen oder spezielle FKK-Anlagen. In der DDR war das Nacktbaden übrigens eine Massenbewegung und für manche ein Akt des politischen Widerstands.

3. Freibad-Autorität: Der Bademeister

Bademeister im Muskelschirt mit verspiegelter Sonnebrille und Trillerpfeife im Freibad
Er ist der Chef am Beckenrand: der Bademeister im Freibad.

Stabile Statur, braun gebrannte Haut und eine verspiegelte Sonnenbrille. Dazu ein weißes Polohemd, die Trillerpfeife und der Aufseher-Blick. Das Bild vom strengen Bademeister hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Wie ein hungriger Tiger streicht er am Beckenrand entlang und ahndet jeden Regelverstoß. Wer traut sich, vom Rand zu springen?

Die Bademeister von heute sind nicht nur Lebensretter und Wächter über die Freibad-Regeln. Sie kümmern sich auch um die Wasserqualität und den gesamten Betrieb.

Schon seit langem heißen sie „Fachangestellte für Bäderbetriebe“. Aber, mal ehrlich: Wenn es Probleme oder Fragen gibt, wenden wir uns doch immer noch an den „Bademeister“.

4. Freibad-Kulinarik: Mitbringen oder kaufen?

Freibad
Pommes, Eis oder ein kaltes Getränk? Der Schwimmbad-Kiosk besitzt magische Anziehungskraft.

Schwimmen macht hungrig, an der frischen Luft sowieso. Deshalb wirkt der Schwimmbad-Kiosk, meist umstellt von Sonnenschirmen, die für eine bestimmte Eismarke werben, nach kurzer Zeit wie ein Magnet. Seine Anziehungskraft ist enorm, vor allem zur Mittagszeit. Wer sich dehydriert und ohne Sonnenhut in die Schlange stellt, riskiert einen Hitzestich!

Früher war es Standard, heute eine Seltenheit: Vor dem Freibad-Besuch wurden Frikadellen gebraten, ein Nudelsalat gemacht, die Melone in mundgerechte Stücke geschnitten. Dann ab damit in die große Kühlbox. In eine zweite Box kamen Getränke.

Schade, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber die Pommes schmecken einfach nirgendwo so gut wie im Freibad.

5. Freibad-Soziologie: Ein Spiegel der Gesellschaft

Luftbild von einem Schwimmbecken im Freien, in dem sich viele Menschen tummeln
Das Freibad als demokratischer Ort: Hier trifft sich der Querschnitt der Gesellschaft.

Im Freibad kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Generationen zusammen. Damit sich alle erholen können, gibt es verbindliche Freibad-Regeln. Doch tauchen immer wieder neue Themen auf, die verhandelt werden müssen, Stichwort Bekleidungsvorschriften oder Fotografier-Verbot. Somit ist das Freibad durchaus ein demokratischer Ort.

Die Ausstellung „Frei Schwimmen – Gemeinsam?!“ im Stuttgarter Haus der Geschichte zeigt, dass das gleichberechtigte Miteinander im Freibad keine Selbstverständlichkeit ist: In der NS-Zeit durften jüdische Menschen Freibäder nicht betreten. Und Ende des 19. Jahrhunderts mussten sich Frauen ihr Recht auf öffentliches Schwimmen erst hart erkämpfen.

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Autor/in
Hannegret Kullmann
Hannegret  Kullmann, Autorin bei SWR Kultur