Im Gespräch mit SWR Kultur warnt der Astrophysiker, Fernsehmoderator und Bestsellerautor Harald Lesch vor dem Kontrollverlust im digitalen Zeitalter. Populismus, soziale Medien und künstliche Intelligenz – dieses Zusammenspiel verflüssige die Wahrheit.
„Wir sind umgeben von einem Informations-Tsunami, der uns überfordert“, sagt Lesch. Sein Gegenvorschlag: Slow Information Food – weniger, dafür aber verlässliche Nachrichten und echte Gespräche.
„Totalzweifel“ als Krankheitsbild der Gegenwart
Was früher Fakten waren, ist heute Meinung: Oft sind Informationen emotional aufgeladen, algorithmisch verstärkt und selten überprüft. „Wir leben in einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft“, so Lesch. Der „Totalzweifel“ sei dabei nicht klug, sondern krankmachend – und ein Symptom der digitalen Überforderung.
Mut zum Denken – und Zeit zum Filtern
Leschs Appell: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – und nimm dir die Zeit dazu.“ Er fordert mehr Medienkompetenz für alle, idealerweise mit einer Art journalistischer Grundbildung.
Algorithmen müssten zertifiziert werden und KI dürfe nicht unkontrolliert unsere Wirklichkeit formen. Statt immer online zu sein, empfiehlt Lesch: morgens, mittags, abends Nachrichten – und dazwischen leben.