Menopause statt Alpenkitsch
Das Jodeln gehört zur Schweiz wie die Löcher in den Käse, möchte man meinen. Der kunstvolle Gesang ist jedoch auch oft begleitet von Texten, die inzwischen deutlich veraltet scheinen. Sexistisch, findet Simone Felber, Leiterin des feministischen Frauenjodelchors „Echo von Eierstock“. Auf Texte von hilflosen Frauen, die in Abhängigkeit zu Männern stehen, hatte sie keine Lust mehr.
Wer bei „Echo im Eierstock“ zuhört, den erwarten statt Alpenkitsch und Nostalgie Texte, die das Selbstverständnis von Frauen heutzutage eher treffen. Ganz selbstverständlich singen die 56 Jodlerinnen aller Altersgruppen etwa den „Menopausen-Jodel“. Jodeln brauche allgemein Innovation, sagt Felber. Um die Tradition zu bewahren, müsse man mit ihr arbeiten, spielen und sich trauen, Dinge auszuprobieren.
Damit eine Tradition weiterleben kann, muss sie lebendig bleiben.
Jodeln soll wieder mehr gepflegt werden
Daher freue es sie besonders, dass dem Jodeln mit der Ernennung zum immateriellen Kulturerbe jetzt mehr Aufmerksamkeit zukommt. Sie hofft, dass damit auch mehr Förderung einhergeht – wenn es nach Felber geht, sollte an jeder Schweizer Schule gejodelt werden.
Zumindest bewegt sich in der Szene schon seit ein paar Jahren etwas. Was vielen noch aus dem berühmten Jodeldiplom-Sketch von Loriot als absurde Vorstellung in Erinnerung sein dürfte, ist in deutlich ernsthafterer Form Realität geworden. Seit 2018 ist Jodeln akademisch, kürzlich machte die erste Absolventin ihren Jodel-Master an der Hochschule Luzern.
Viel Zulauf beim modernen Jodeln
In Loriots „Jodelschule“-Sketch müht sich Ende der 70er-Jahre die Figur Frau Hoppenstedt damit ab, Wortlautketten à la „hollera-didudeldö“ auswendig zu lernen, während ihr Ehemann nicht müde wird, zu betonen, wie er damit die Eigenständigkeit seiner Frau fördere.
Heute, im Jahr 2025, ist das Jodeln ein echtes Werkzeug weiblicher Emanzipation geworden – zumindest im Frauenchor von Simone Felber. Die kann sich vor Anfragen kaum retten, berichtet sie.
Wir haben das Glück, dass wir keine Werbung machen müssen. Wir haben eine lange Warteliste an Sängerinnen, die gerne bei uns mitsingen würden. Ich glaube, das zeigt auch, dass das Jodeln irgendwie große Beliebtheit hat und dass gerade das Jodeln mit einem vorwärtsgerichteten Blick Zulauf hat.