Wenn Kunst Umweltbewusstsein zeigt

Moby Dick, Hoodies und Ballett – wie Kultur Klimaschutz lebt

Alle reden übers Klima – und die Kultur macht es einfach: Das Stuttgarter Ballett tanzt bis heute in Crankos Originalkostümen, in Kaiserslautern wird „Moby Dick“ klimaneutral inszeniert. Und selbst Museen sparen Müll, Strom und Wasser – mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes.

Teilen

Stand

Der Wal und die Weltlage – „Moby Dick“ in Kaiserslautern 

Der Roman „Moby Dick“ von Herman Melville ist weltberühmt. Auf fast tausend Seiten erzählt er die aufregende Geschichte des fanatischen Waljägers Käpt'n Ahab und des riesigen weißen Pottwals Moby Dick. 

 Das Klima im Fokus 

Der Walfang zu Beginn der Industrialisierung geriet zur Ausbeutung im großen Stil. Die Geschichte von „Moby Dick“ hinterfragt aus heutiger Sicht das Verhältnis von Mensch und Natur. Das ist der Anlass für die klimaneutrale Produktion „Moby Dick“ am Pfalztheater, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Im Zentrum steht die Frage: „Sind wir nicht alle ein bisschen Ahab?“ 

Kultur und Klima
„Moby Dick“ am Pfalztheater Kaiserslautern. Pressestelle Pfalztheater Kaiserslautern

Hoodie als Mönchskutte – Nachhaltigkeit am Staatstheater Stuttgart 

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für die Staatstheater Stuttgart in verschiedenen Bereichen von Bedeutung – von der geplanten Sanierung des Opernhauses bis zu künstlerischen Produktionen. So wurden zum Beispiel aus alten Kapuzenpullis in der Oper Messiaens „Saint François d’Assise“ Mönchskutten geschneidert. 

Kultur und Klima
Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“ an der Stuttgarter Oper. Die Mönche tragen ausgediente Hoodies. Pressestelle © Martin Sigmund

Das Stuttgarter Ballett wurde mit John Cranko in den 1960er Jahren weltberühmt  

Der Choreograf John Cranko machte aus einer kleinen Stuttgarter Kompanie ein Ensemble mit Weltruhm.  

Dauerbrenner „Romeo und Julia“ von John Cranko 

Crankos „Dauerbrenner“ wie zum Beispiel „Romeo und Julia“, uraufgeführt am 2. Dezember 1962, kommen seit Jahrzehnten mit denselben Bühnenbildern zur Aufführung. Hier und da wird mal repariert, aber nichts neu angeschafft. Auch die Kostüme aus den Cranko-Balletten werden so lange genutzt, bis sie quasi auseinanderfallen. 

Kultur und Klima
Weltberühmt: „Romeo und Julia“ von John Cranko nach William Shakespeare am Stuttgarter Ballett. Hier mit Martí Fernándes Paixà und Elisa Badenes in den Hauptrollen. Pressestelle ©Roman Nowitzky/Stuttgarter Ballett

Reduce, Reuse, Recycle – Zeppelin Museum Friedrichshafen will klimaneutral werden

Museen gehören zu den großen Energieverbrauchern in den Städten. Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen will bis 2040 klimaneutral werden. Reduzieren, wiederverwenden, recyceln – das ist die Devise. 2024 erhielt das Museum den Lotto-Museumspreis für seine Nachhaltigkeit.

Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums zur Idee und zur gelebten Praxis: 

Wir sind auf die Idee gekommen, Dinge einfach umzunutzen. Wir haben zum Beispiel Paletten aus recyceltem Kunststoff genommen und haben damit Sitzforen gemacht. Und so haben wir Dinge genommen, die wir schon hatten oder die wir zurückgeben konnten. 

Kultur und Klima
Das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen setzt auf Nachhaltigkeit. Das Dach ist mit Solarfeldern ausgestattet. Pressestelle Zeppelin-Museum, Friedrichshafen

Die 30.000 Euro Preisgeld, die das Museum zusätzlich zur Anerkennung erhielt, fließen in die Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Luftschiffe unter dem Hakenkreuz“, die 2026 eröffnet werden soll. 

In der neuen Schau will man 2026 ganz besonders auf die ökologische und soziale Nachhaltigkeit achten. Ziel des Museums ist, möglichst wenig Müll zu produzieren und Strom sowie Wasser zu sparen. Das Zeppelin Museum wird von dem Fonds Zero der Kulturstiftung des Bundes gefördert.  

Spart Ressourcen – Die Tanzcompanie Sasha Waltz & Guests und die Choreografie »In C« 

Mitten in der COVID-19 Pandemie startete die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests 2021 mit der Produktion „In C“ einen damals ganz neuen und experimentellen Prozess. Der Verzicht auf ein Bühnenbild macht die Aufführung weltweit leicht umsetzbar – und spart Material, Transport und Energie.

Kultur und Klima
Spart Ressouren: Die Choreografie „In C” von Sasha Waltz & Guests zur Musik von Terry Riley. Pressestelle ©Yanina Isla

Uraufgeführt wurde „In C“ als Livestream aus dem Radialsystem Berlin im März 2021. Seitdem haben rund 30.000 Menschen das Stück bei Gastspielen gesehen. Außerdem können auch andere Companien „In C“ einstudieren und auf digitale Tutorials zurückgreifen. 

Klimafreundliche Kooperationen zwischen Mainz und Berlin

Durch klimafreundliche Kooperationen wie „Sasha Waltz@Guests meets tanzmainz“ musste für die Aufführungen in Mainz und Berlin jeweils nur ein Teil der Tänzer reisen, da Ensemblemitglieder beider Kompanien eingebunden waren. Das senkt den CO₂-Ausstoß.

Für Sasha Waltz ist „In C“ auf mehreren Ebenen ein wichtiges Projekt:

„Es geht darum, sich miteinander zu vernetzen, zuzuhören, sich gegenseitig zu unterstützen, zusammenzuwachsen, sich Raum zu geben, zu spüren, was gebraucht wird, was man zum Wohle der gesamten Gemeinschaft auf der Bühne tun kann.“ 

Kultur und Klima
Die Choreografin Sasha Waltz setzt sich für nachhaltige Produktionen wie „IN-C“ ein. Pressestelle ©Herlinde Koelbl

Klimaschutz in der Kultur hat viele Gesichter. Ob bei Gastspielen oder Gebäuden, bei Bühnenbildern oder Beleuchtung. Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle und wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.