Provenienzforschung ist kostspielig und zeitaufwendig. Gerade kleineren Museen fehlen hierfür häufig Zeit, Experten und die finanziellen Mittel. Eine Umfrage des rheinland-pfälzischen Museumsverbands hat ergeben, dass aufgrund dessen rund 86 Prozent der befragten Museen noch keine Provenienzforschung betrieben haben, also nicht über die Geschichte oder Herkunft von jedem Werk Bescheid wissen.
Raubkunst in rheinland-pfälzischen Museen entdeckt
Bei einem zweijährigen, vom Land Rheinland-Pfalz geförderten Pilotprojekt wurden das Erkenbert-Museum Frankenthal, das Roentgen-Museum Neuwied sowie das Stadtmuseum Bad Dürkheim und das Eifelmuseum Mayen mithilfe eines Ampelsystems untersucht.
Miriam Anders, die Geschäftsführerin des rheinland-pfälzischen Museumsverbands erklärte, dass dabei „Grün“ für eine unbedenkliche Herkunft, „Gelb“ für eine unbekannte Herkunft und „Rot“ für eine sehr wahrscheinlich oder eindeutig belastete Herkunft der Objekte steht.
Bei den vier untersuchten Museen kann man jetzt sagen, dass bei den Objekten von Grün bis Rot alles vertreten war. Und bei drei von vier Museen gibt es auch Anhaltspunkte für höchstwahrscheinlich belastete Objekte.
Auf Erstcheck folgen detaillierte Forschungen
Bei einem Erstcheck, also einer eher oberflächlichen Momentaufnahme, konnten die Kunstwerke dank des Ampelsystems zwar kategorisiert, jedoch noch nicht eingehend untersucht werden. Schon dies ist sehr zeitintensiv, wenn man bedenkt, dass manche Museen über mehr als tausend Exponate verfügen. In einem zweiten Schritt werden diese nun genauer unter die Lupe genommen und im Detail untersucht.
Mit Washington Principles Raubkunst identifizieren
Überhaupt in Schwung gekommen ist die Suche nach Raubkunst aus der NS-Zeit Ende der 1990er Jahre mit den sogenannten Washington Principles. Dabei handelt es sich um eine moralisch und ethisch verpflichtende Übereinkunft, um die während des Nationalsozialismus beschlagnahmte Kunst als Raubkunst zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer oder Erben ausfindig zu machen und eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden.
Kunst zur Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmt
Die Nationalsozialisten nutzten Kunst als Status- und Machtsymbol. So wurde von zahlreichen Organisationen und Funktionären der NSDAP und des NS-Staats zwischen 1933 und 1945 ein umfassendes Konglomerat an Kunstwerken zusammengetragen. Sie profitierten dabei von der diskriminierenden Enteignungspolitik, wodurch insbesondere Juden systematisch entrechtet und verfolgt wurden.
Unter dem Eigentum der Enteigneten fanden sich zahlreiche Kulturgüter, die an die Nationalsozialisten abgegeben oder verkauft werden mussten und als Sonderabgabe oder zur Finanzierung ihrer oftmals lebensrettenden Emigration oder Flucht ins Ausland dienten. Darüber hinaus waren die Kunstgüter durch auf Kunstraub spezialisierte Organisationen des Staates und der Partei in Gefahr.