"Mut bedeutet nicht Angstfreiheit, sondern Dinge zu tun, obwohl wir Angst haben", sagt Eva Asselmann, Psychologin und Expertin für Persönlichkeitsentwicklung. Mut sei laut ihr essenziell für persönliches Wachstum und oft gefragt in Situationen, die herausfordernd oder potenziell unangenehm sind.
Psychologin: Vertrauen wächst durch positive Erfahrungen
Mutige Menschen, so erklärt Asselmann, glauben fest daran, dass sie schwierige Aufgaben und Herausforderungen bewältigen können. Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hilft ihnen, auch in unsicheren oder neuen Situationen aktiv zu handeln. Dieses Vertrauen wächst durch positive Erfahrungen und wird durch unser soziales Umfeld geprägt. Eltern oder andere Bezugspersonen, die selbst souverän mit Problemen umgehen und positive Rückmeldungen geben, stärken die Selbstwirksamkeit.
Ein erfülltes Leben bedeutet, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Dafür braucht es Mut - und dieser wird häufig auch belohnt.
Asselmann betont, dass Mut gelernt werden kann, indem man mit kleinen, machbaren Schritten beginnt, beispielsweise, wenn man während einer Besprechung auf der Arbeit das Wort ergreift. "Für ein erfülltes Leben ist es wichtig, sich immer wieder neuen Dingen zu stellen", sagt sie. Unterstützung bei fehlendem Mut bieten laut Asselmann auch Coaches und Psychotherapeuten.
Politikwissenschaftler: Es gab sehr viele mutige Menschen
Mut hat nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Oft inspirieren Einzelpersonen Veränderungen, etwa bei Fridays for Future oder den friedlichen DDR-Demonstrationen. Für den Politikwissenschaftler Herfried Münkler ist Graf Stauffenberg, der in Stuttgart aufgewachsen ist, ein Beispiel für historischen Mut: Trotz körperlicher Einschränkungen und geringer Erfolgsaussichten entschied er sich für das Attentat auf Hitler.
Es brauche mutige Entscheidungen in der Politik
Laut Münkler ist Mut nur gelegentlich mit Macht verbunden. Er betont, dass Mut oft dort zu finden ist, wo Menschen keine Macht besitzen und sich nicht gegen die negativen Folgen ihres Handelns absichern können. Für ihn bedeutet Mut, persönliche Risiken in Kauf zu nehmen - sei es das Ende einer Karriere oder gesellschaftliche Ächtung.
Münkler äußert sich kritisch über Politiker, die betonen, dass sie Mut brauchen. Er sieht dies als eine Art "Selbstinszenierung". Denn sie fordern Anerkennung für etwas ein, das zu ihrer Jobbeschreibung gehört. Als Gesellschaft können wir Mut unterstützen, indem wir diejenigen fördern, die bereit sind, aus festgefahrenen Strukturen auszubrechen und Neues zu wagen. Zum Beispiel, indem man bei Wahlen diejenigen unterstützt, die Mut beweisen.
Umfrage in Stuttgart: Wann waren Sie besonders mutig?
Mut zeigt sich oft in kleinen Entscheidungen, die große Auswirkungen haben können. Eine Frau erzählt, dass sie mit 16 Jahren nach Stuttgart gezogen ist. Einen weiteren Umzug hat sie aber nicht gewagt: "Da war ich dann nicht mehr mutig." Für einen anderen Stuttgarter bedeutet Mut, seine Meinung vor vielen Menschen zu vertreten.
"Mut heißt, die Dinge trotzdem zu tun, obwohl man Angst hat", sagt eine andere Stuttgarterin. Und so haben sie und ihre Tochter sich kürzlich getraut, zusammen vom Drei-Meter-Turm zu springen. Ob ein Jobwechsel, das Auswandern in ein fremdes Land oder der Entschluss, gegen die Meinung der Mehrheit zu stehen - Mut zeigt sich in vielen Facetten.