Zum Tod des internationalen Stars des deutschen Films

Filmproduzent Nico Hofmann: „Mario Adorf war eine Naturgewalt“

Der Filmproduzent Nico Hofmann würdigt Mario Adorf als einen der wenigen internationalen Stars des deutschen Films in der Nachkriegszeit. 

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Stand

Mario Adorf verkörpere 60 Jahre deutscher Filmgeschichte und habe jede dieser Phasen selbst gründlich reflektiert. Als Gründungsmitglied der Nibelungen-Festspiele Worms war Adorf bis zuletzt Teil des Kuratoriums und habe junge Künstlerinnen und Künstler immer ermutigt.

Mario Adorf: Die großen Rollen

Nachts, wenn der Teufel kam (1957) mit Rose Schäfer und Mario Adorf
Ab Mitte der 1950er-Jahre spielt Mario Adorf bei den Münchner Kammerspielen. Die Rolle eines psychopathischen Mörders im Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) bringt ihm größere Bekanntheit und den Bundesfilmpreis als bester Schauspieler. Bild in Detailansicht öffnen
Winnetou I (1963) mit Mario Adorf als Santer
Den großen Durchbruch erfährt Adorf 1963 als Santer, den Widersacher im ersten Teil der „Winnetou“-Reihe. Die Rolle prägt Adorfs Karriere: Häufig wird er als Ganove, Mafioso oder zwielichtiger Charakter besetzt. Bild in Detailansicht öffnen
Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) mit Angela Wilker und Mario Adorf
Unter der Regie von Volker Schlöndorff dreht Adorf in den 1970er-Jahren zwei Filme: In „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach Heinrich Böll spielt er den Kommissar, der den durch die Boulevardpresse begangenen Rufmord an der geschiedenen Wirtschafterin (Angela Wilker) beobachtet. Bild in Detailansicht öffnen
Die Blechtrommel (1979) mit David Bennent, Mario Adorf und Katharina Thalbach
1979 besetzt Schlöndorff den Schauspieler in seiner Günther-Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ als Alfred Mazerath, den Vater von Hauptfigur Oskar Mazerath (David Bennent). Als erste deutsche Produktion gewann der Film 1980 den Oscar als bester nicht-englischsprachigen Film. Bild in Detailansicht öffnen
Lola (1981) mit Mario Adorf
Unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder spielt Adorf 1981 in „Lola“ neben Barbara Sukowa, Armin Mueller-Stahl und Helga Feddersen. Der Film wird beim Bundesfilmpreis als bester Spielfilm ausgezeichnet. Bild in Detailansicht öffnen
Via Mala (1985) mit Milena Vukotic und Mario Adorf
Auch in Fernsehfilmen spielt Mario Adorf, so etwa in der dreiteiligen Verfilmung von John Knittels Roman „Via Mala“ (1985). Adorf spielt einen trunksüchtigen und gewalttätigen Familienvater, dessen Kinder sich dazu entschließen, ihn zu ermorden. Bild in Detailansicht öffnen
Kir Royal (1986) mit Mario Adorf
„Isch scheiß disch so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute hast“, raunt Adorf als Heinrich Haffenloher dem Reporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) zu. Eine unvergessliche Szene aus Helmut Dietls Münchner Schickeria-Satire „Kir Royal“ . Bild in Detailansicht öffnen
Prinzessin Fantaghirò (1991) mit Mario Adorf
Auch in italienischen Produktionen spielt Adorf immer wieder. Regelrechten Kultstatus hat das Anfang der 1990er-Jahre produzierte Fernsehmärchen „Prinzessin Fantaghirò“, in dem Adorf den Vater der in Männerkleidern kämpfenden Titelheldin spielt. Bild in Detailansicht öffnen
Pizza Colonia (1991) mit Mario Adorf und Marita Ragonese
In Komödien überzeugt Adorf immer wieder, etwa in der Rolle des italienischen Gastwirts Francesco Serboli in „Pizza Colonia“. Bild in Detailansicht öffnen
Der Schattenmann (1994) mit Mario Adorf, Stefan Kurt, Heinz Hoenig, Heiner Lauterbach, Christine Reinhart, Maja Maranow, Jennifer Nitsch, Isa Haller, Don F. Jordan, Beatrix Bilgen
In „Der Schattenmann“ verkörpert Adorf an der Seite von Heiner Lauterbach, Stefan Kurt, Heinz Hoenig und Günther Strack den Strippenzieher in der Frankfurter Halbwelt. Bild in Detailansicht öffnen
Rossini (1997) mit Mario Adorf
Ein weiteres Mal besetzt Helmut Dietl Mario Adorf in einer Satire über die Münchner Schickeria. In „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ spielt Adorf den Restaurant-Betreiber Paolo Rossini, einen Strippenzieher der High-Society in der bayerischen Landeshauptstadt. Bild in Detailansicht öffnen
In der Rolle des Hagen von Tronje berührt Schauspieler Mario Adorf am 14.8.2002 bei einer Probe zur Dieter-Wedel-Inszenierung "Die Nibelungen" in Worms das sagenumwobene Schwert Balmung in den Händen Siegfrieds (Götz Schubert).
Auch wenn Adorf heute in München lebt, bleibt er seiner rheinland-pfälzischen Heimat verbunden. 2002 initiiert Adorf die Wiedereinführung der Nibelungenfestspiele und holt Regisseur Dieter Wedel an Bord. In der ersten Aufführung vor dem Wormser Dom spielt Adorf die Rolle des Hagen von Tronje. Bild in Detailansicht öffnen
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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Patrick Batarilo
Patrick Batarilo, Team SWR Kultur
Interview mit
Nico Hofmann