Es waren die antiken Griechen, die die Olympischen Spiele erfunden. Sie waren weit mehr als nur eine Sportveranstaltung: Es handelte sich um ein großes religiöses Fest zu Ehren der Götter, insbesondere des Göttervaters Zeus.
Es liegt auf der Hand: Die Austragung der Olympischen Spiele ist eine große Ehre, bis noch. Für eine Stadt bedeutet dies Prestige und wirtschaftliche Vorteile, wie zum Beispiel gesteigerter Tourismus und erhöhte Aufmerksamkeit für den Ort.
Wenn alle Lichter auf die Stadt gerichtet sind, kann man ein positives Image in die Welt tragen.
Japan 1964: Land der Moderne
Das war der Fall von Japan 1964. Nach der Zerstörung und den Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs gaben die Olympischen Spiele Anlass, Tokio weiter aufzubauen und Japan als modernes Land zu präsentieren.
Die Stadt wurde vollständig umgekrempelt: Zahlreiche Wohnhäuser wurden errichtet, ebenso neue U-Bahnen, Einschienenbahnen und erhöhte Stadt-Autobahnen. Mit dem neu eingeführten Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug wurde das Land erstmals schnell und komfortabel mit der Hauptstadt verbunden.
Der problematische Ruf nach „Sauberkeit“ in Tokio
Doch dieses positive und moderne Image hatte auch seine Schattenseite: Die Stadt sollte westlichen Standards entsprechen und „sauber“ wirken. Zum Beispiel startete die Stadtverwaltung Tokios eine „Aufräum-Kampagne“, um das vermeintliche Schandfleck-Viertel Sanya zu beseitigen.
Das passierte, obwohl die Bevölkerung von Sanya durch massive Arbeitsrekrutierung für den Bau von Schnellstraßen, Hochgeschwindigkeitsbahnlinien und des Yoyogi-Stadions stark zunahm.
Debatten bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris
Diese Diskussion betrifft nicht nur eine ferne Vergangenheit: Zuletzt gab es 2024 in Paris viel Gegenwind und öffentliche Debatten. Das Kollektiv „Le Revers de la médaille“, auf Deutsch: „Die Kehrseite der Medaille“, äußerte gegenüber dem Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele die Sorge, dass die Spiele mit sogenannten „sozialen Säuberungen“ einhergehen könnten.
Damit meinten sie die Vertreibung von Menschen, die von den Behörden als „unerwünscht“ kategorisiert werden, etwa Obdachlose. Im Juni 2024 veröffentlichte „Le Revers de la médaille“ einen ersten Bericht mit konkreten Zahlen: Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 12.500 Menschen aus den Straßen von Paris und der Region Île-de-France verdrängt.
Das war ein Anstieg um 38,5 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum der Jahre 2021 bis 2022. Die Regierung bestritt, dass diese „soziale Säuberung“ im Zusammenhang mit den Olympischen und Paralympischen Spielen stünde.
Sotschi 2014: Keine „grünen Spiele“
Auch bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi lief nicht alles „sauber“ . Obwohl die russische Regierung und das IOC „grüne Spiele“ versprochen hatten, äußerten Umweltschützer*innen von Anfang an Kritik.
Sie hielten Sotschi für einen ungeeigneten Austragungsort, da dort ein subtropisches Klima herrscht und die Region zum empfindlichen Ökosystem des West-Kaukasus gehört.
Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) warnte bereits 2007 vor den Folgen für eines der artenreichsten Gebiete der Erde, das auch der Lebensraum der letzten Bergwisente Europas sei. Laut Umweltschützer*innen konnten die angekündigten grünen Innovationen der Spiele die massiven Umweltschäden nicht ausgleichen.
Besonders deutlich zeigte sich das an den Bauarbeiten: Trotz eines offiziellen Entsorgungskonzepts entstanden Mülldeponien in der Nähe von Nationalparks. Der Bau von Sportstätten, Straßen und Bahnlinien führte zu erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft.
Wird München nun wieder Olympia-Stadt?
Ein ganz großes Projekt, das die bayerische Hauptstadt nachhaltig geprägt hat und bis heute prägt, ist das Olympische Dorf in München – eine „Stadt in der Stadt“. Errichtet 1972 für die Olympischen Spiele, war es zugleich ein städtebauliches Experiment.
Dort gibt es nicht nur rund 3.500 Wohneinheiten, sondern auch Geschäfte des täglichen Bedarfs und Spielflächen für Kinder – ein echtes „Dorf“ mitten in München.
Das Konzept hat sich als nachhaltig erwiesen: Heute leben dort rund 7.000 Menschen. Die bayerische Metropole könnte erneut Gastgeberin der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 werden. Am 26.10.2025 soll darüber abgestimmt werden, ob sich die Stadt erneut als Austragungsort bewerben soll.