Olympia 1972 in München ist, trotz des tragischen Attentats, in positiver Erinnerung geblieben. Der Mythos heiterer Spiele erklärt für die Sporthistorikerin Jutta Braun, weshalb sich die bayerische Landeshauptstadt erneut bewirbt.
Geschichte Die Olympischen Spiele 1972 – Münchens Sommertragödie
München wollte 27 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein neues Deutschland präsentieren – heiter und offen. Doch die Terroranschläge machten aus dem Sportfest eine Tragödie.
Vor dem Referendum am Sonntag erinnert Braun, die am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam arbeitet, in SWR Kultur: „München war ein wichtiger Image-Faktor für die Bundesrepublik. Man wollte mit den Spielen explizit der Welt das moderne Deutschland zeigen.“ Diese Erinnerung lasse sich aber nicht auf heute übertragen: „Der Fortschritts-Optimismus von 1972 ist einfach verflogen“.
Deshalb ist die Expertin auch skeptisch, was eine deutsche Olympia-Bewerbung bringen kann: „Gigantomanie wirkt eher abschreckend – zumindest hier in Deutschland. Sporttreiben hat sich sehr individualisiert. Ich denke daher nicht, dass die Olympischen Spiele noch diesen Stellenwert haben.“
Kinofilm arbeitet Geiseldrama auf Was wir aus dem medialen Versagen beim Münchner Olympia-Attentat lernen können
Welche Regeln gelten bei Live-Berichterstattung? Wann unterstützt man den Terror? Der Film „September 5“ zeigt, wie aktuell diese Fragen sind – besonders in Zeiten sozialer Medien.
Zeitwort 26.8.1972: Die olympischen Spiele in München beginnen
Die Olympischen Spiele in München sollten ein großes Fest werden, ein Gegenentwurf zu den Propagandaspielen der Nationalsozialisten im Jahr 1936. Sie begannen am 26. August 1972, heute vor 50 Jahren und endeten mit nach dem Überfall der palästinensischen Terrorgruppe Schwarzer September auf israelische Sportler. Elf Israelis starben, ein Polizist und 5 Geiselnehmer.