Oulu in Finnland und Trenčín in der Slowakei starten als Kulturhauptstädte ins Jahr 2026. Die beiden Städte könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die Finnen arktische Kultur und indigene Perspektiven feiern, ist der Kulturbereich in der Slowakei politisch umstritten.
In Oulu prägt extremes Klima die Kultur
Das finnische Oulu kennt arktische Kälte genauso wie endlose Sommertage. Mit 220.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist sie die nördlichste Großstadt Europas – knapp unter dem Polarkreis, 600 Kilometer nördlich von Helsinki.
Das Klima hier gilt als extrem. Schnee, Eis und die arktische Lebensweise prägen auch das Programm der europäischen Kulturhauptstadt 2026. Das Motto „Cultural Climate Change“ – kultureller Klimawandel.
Die einzigen Ureinwohner der EU
Mit mehr als eintausend Events will sich Oulu als Stadt der Vielfalt präsentieren. Schließlich beheimatet die Region auch die indigene Bevölkerung der Samen, die traditionell von halbnomadischer Rentierwirtschaft geprägt ist und mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen hat.
Die Sami sind das einzige indigene Volk der Europäischen Union. Ihre Kultur bildet einen zentralen Pfeiler des Programms: Die Weltpremiere der samischen Oper „Ovllá“ Im Theater von Oulu, Konzerte und Veranstaltungen am Nationalfeiertag der Sami am 6. Februar. Das Kunstmuseum widmet sich zeitgenössischer samischer Kunst in einer großen Ausstellung.
Techno auf dem Eis und Luftgitarren-WM
Eröffnet wird das Kulturjahr in Oulu mit einem dreitägigen Festival vom 16. bis 18. Januar. Das Programm reicht von Konzerten über Akrobatik und Autotuning bis hin zum finnischen Nationalsport Eishockey.
In den kommenden Monaten folgen ein elektronisches Musikfestival auf einem vereisten See, ein internationales Schneeskulpturen-Festival und die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen. Ende August findet die Luftgitarren-Weltmeisterschaft statt, ein Event, für das Oulu international bekannt ist.
Trenčín setzt auf nachhaltigen Wandel
Etwas später, am 13. Februar, steigt in Trenčín, der 55.0000-Einwohner-Stadt im Westen der Slowakei, die Eröffnungsparty zur Europäischen Kulturhauptstadt. Hier versteht man den Titel vor allem als Chance: für eine positive Stadtentwicklung, für die Belebung ungenutzter Räume und für eine engere Anbindung an Europa.
„Unser Ziel ist es, nicht nur hochkarätige Veranstaltungen auszurichten, sondern auch langfristige Beziehungen aufzubauen, die das Leben der Menschen positiv beeinflussen“, heißt es von den Verantwortlichen.
Altstadt und Synagoge aufwendig renoviert
Trenčín liegt etwa zweieinhalb Autostunden von Wien entfernt. Wahrzeichen der Stadt ist die mächtige mittelalterliche Burg, die auf einem Felsen über der Stadt thront.
Außerdem ist die Stadt für die frisch renovierte historische Altstadt mit ihrer eindrucksvollen Jugendstil-Synagoge berühmt, die nach langer Sanierung wiedereröffnen soll und an die lange jüdische Geschichte der Stadt erinnert.
Dass Trenčín jetzt Europäische Kulturhauptstadt ist, hat auch eine politische Dimension und verweist auf die tiefe Spaltung des Landes. Denn seit Amtsantritt des rechtspopulistischen und prorussischem Ministerpräsidenten Robert Fico steht die freie Kulturszene in der Slowakei unter Beschuss.
Freie Kulturszene in der Slowakei unter Druck
Kulturministerin Martina Šimkovičová fördert nur noch, was sie als traditionell slowakische Kultur definiert. Kritiker sprechen von einem autoritären Kahlschlag und sehen die Kunstfreiheit bedroht.
Gegen die Entlassungswelle im Kulturbereich gingen in der Slowakei in den vergangenen Monaten Tausende auf die Straße. Die kommunale Regierung von Trenčín hingegen ist von parteilosen liberalen Akteuren geprägt. Unter dem Motto „Awakening Curiosity“ – erwachende Neugier – setzt die Stadt 2026 auf Vielfalt und europäischen Austausch.
Trenčín kämpft um kulturelle Offenheit
Trenčín soll sich 2026 in eine lebendige Kulturlandschaft mit Musik, Kunst und gesellschaftlichem Leben verwandeln. Zu den Programmhighlights zählen ein nachhaltiges Mode-Labor, das die Modegeschichte der Stadt aufgreift, zeitgenössische Zirkusformate sowie das Brückenfest, dass die Umgestaltung einer ehemaligen Eisenbahnbrücke in ein Kulturzentrum feiert.
Oulu und Trenčín: Beide Städte zeigen, dass Kultur eine verbindende Kraft sein kann – zwischen Tradition und Moderne, oder in einem politisch gespaltenen Europa.