UN stimmen für neue Weltkarte

Warum Afrika viel größer ist als alte Karten zeigen

Unsere Weltkarte wurde einst für die Seefahrt entwickelt und verzerrt die Größe der Kontinente stark. Die UN stimmten jetzt für eine korrigierte Version. Vor allem Afrika wird darauf größer gezeigt.

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Stand

Was ist das Problem mit der alten Weltkarte?

Togo  hatte die Resolution „Correct the map“ eingebracht, unterstützt von der Afrikanischen Union. 164 Staaten votierten dafür, sechs Länder enthielten sich, nur die USA stimmten dagegen. Doch was war überhaupt das Problem an der sogenannten Mercator-Karte? Warum war die Korrektur so wichtig für die Afrikanische Union?

„Das Problem ist, dass vor allem der afrikanische Kontinent viel zu klein dargestellt ist“, sagt SWR-Redakteur Lukas Fleischmann, der sich mit der Mercator-Karte befasst hat. Nicht nur Afrika, sondern alle Regionen der Erde, die nah am Äquator liegen, würden zu klein dargestellt: Und umgekehrt:

Umgekehrt würden Länder, die besonders weit nördlich oder südlich des Äquators liegen, viel größer dargestellt als sie eigentlich sind. 

Weltkarte des Britischen Empire 1902 nach der Mercator-Projektion. Britische Besitzungen sind rot markiert.
Weltkarte des Britischen Empire 1902 nach der Mercator-Projektion. Britische Besitzungen sind rot markiert. Weltkarte des Britischen Empire 1902 nach der Mercator-Projektion. Britische Besitzungen sind rot markiert.

Grönland so groß wie Afrika?

Diese Karte zu korrigieren, bedeute also vor allem, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen, so Fleischmann: „In Mercator-Darstellungen ist Grönland genauso groß wie der gesamte afrikanische Kontinent, obwohl Afrika 14-mal größer ist.

Außerdem sieht es auf der aktuellen Karte so aus, als wäre Russland deutlich größer als Afrika, obwohl die Landmasse Russlands fast zweimal in den afrikanischen Kontinent passt.“

Woher kommt die falsche Darstellung?

Der niederländische Kartograf Gerardus Mercator entwickelte diese verzerrte Darstellung 1596, um so ein grundsätzliches Problem der Kartografie zu lösen. Da es unmöglich ist, einen gekrümmten dreidimensionalen Globus auf ein flaches Blatt Papier zu überführen, musste er zwangsläufig verzerren.

1538 Weltkarte in Doppelherzform, herzförmige Kartenprojektion des flämischen Kartografen Gerardus Mercator.
Von unschätzbarem Wert für die Seefahrt der damaligen Zeit: Weltkarte in Kartenprojektion des flämischen Kartografen Gerardus Mercator von 1538. picture alliance / imageBROKER | alimdi / Arterra

Mercators Idee war nach Fleischmann von unschätzbarem Wert für die Seefahrt der damaligen Zeit. Die Schiffe der Spanier, Portugiesen oder Niederländer waren zum ersten Mal in der Geschichte auf dem ganzen Erdball unterwegs. Und je länger die Entfernungen wurden, desto schwieriger war es, die exakte Position oder die Kurse zu bestimmen. 

Doch „nun war es möglich, dass Kapitäne nur mit Kompass und Karten navigieren konnten, weil das Winkelmaß der Erde nun umgerechnet geraden Linien entsprach“, so Fleischann.

Wenn man auf dieser Karte mit einem Lineal eine Linie von Portugal nach Brasilien zieht, entspräche dies genau dem Kurs der Seefahrer. Die Krümmung müsse nicht mehr kompliziert umgerechnet werden. „Aber es hat eben auch zur Folge, dass alles umso verzerrter ist, je weiter es an die Ränder geht.“

Statue des flämischer Kartographen Gerardus Mercator, Erfinder der nach ihm benannte Mercator-Projektion der Weltkarte, in Rupelmonde, Belgien.
Statue des flämischer Kartographen Gerardus Mercator, Erfinder der nach ihm benannte Mercator-Projektion der Weltkarte, in Rupelmonde, Belgien. picture alliance / imageBROKER | alimdi / Arterra

Europäer sahen sich als Zentrum der Welt

Hatte die Mercator-Karte also eher einen pragmatischen als einen kolonialistischen Hintergrund? Das stimme so nicht, betont Fleischmann, denn die Europäer hätten sich trotzdem ganz klar als das Zentrum der Welt gesehen: „Es ist gut für diesen Kontinent, der ja weit oben im Norden liegt, wenn er deutlich größer dargestellt ist. Denn damit wirkt er ja auch in seiner Bedeutung viel größer.“

Bei der UNO haben die Europäer jetzt der neuen Karten-Darstellung zugestimmt, aber warum waren die USA als einzige Nation dagegen? Auch sie liegen geografisch weit im Norden und werden somit in der alten Karte größer dargestellt.

Fleischmann: „Bei der aktuellen Regierung, die Seen, Meere und Golfe umbenennen will oder das bereits getan hat, kommt natürlich eine kartografische Schrumpfung des Territoriums, auch wenn es nur kartografisch ist, nicht infrage. Die USA sprachen wörtlich von einem radikal-ideologischen Projekt.

Müssen jetzt alle Weltkarten neu gemacht werden?

Die Resolution der UN ist nicht bindend, sie will die alten Karten aber auch gar nicht abschaffen. Sie ermutige vielmehr Regierungen, Schulen, internationale Organisationen, und Tech-Unternehmen wie Google, das Equal-Earth-Modell von 2018 zu verwenden.

Die Entscheidungen müssen aber Regierungen auf nationaler Ebene treffen. Frankreich hat jetzt zum Beispiel angekündigt, eine Karte zu verwenden, die dem Equal-Earth-Modell ähnlich ist.

Auf der Website „thetruesize.com“ können Nutzer Länder auswählen und fiktiv über den Globus verschieben. So kann man sehen, wie viele der größten Länder der Erde in den afrikanischen Kontinent passen.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Anno Wilhelm
SWR3 Moderator Anno Wilhelm
Interview mit
Lukas Fleischmann
Onlinefassung
Clemens Zoch