Die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal warnt vor einer wachsenden Gesprächsverweigerung in der Gesellschaft. „Mit Beginn der Corona-Pandemie gab es plötzlich im Mainstream immer nur noch eine richtige Meinung“, sagt Sanyal in SWR Kultur.
Diese moralische Einengung habe die Debattenkultur geschwächt und Gruppen ausgeschlossen. Für Sanyal ist es deshalb entscheidend, wieder Räume für Austausch zu schaffen:
„Es ist total wichtig, Menschen, gegen die wir anargumentieren, erst einmal zu verstehen.“ Meinungsfreiheit ende zwar da, wo der Aufruf zur Gewalt beginne, müsse aber grundsätzlich gewahrt bleiben, so Sanyal – „dafür müssen wir diesen Raum so weit wie möglich halten.“
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Diskussion Deutschland im Kulturkampf – Wie kommen wir da raus?
Die gescheiterte Verfassungsrichterinnenwahl, Debatten über Verbote von Regenbogenflaggen oder gegenderter Sprache, sämtliche Debatten zum Klima oder der Migration - sie eint die Rede vom Kulturkampf: Der Soziologe Armin Nassehi meint damit, wenn es immer ums Ganze geht, Sachfragen zu Identitätsfragen und dabei vollständig instrumentalisiert werden. Befinden wir uns im Kulturkampf, in Kulturkämpfen? Bekommen wir bald vielleicht gar US-amerikanische Verhältnisse? Wie können wir wieder ins Gespräch kommen und gleichzeitig rote Linien, z.B. zu rechtsextremistischen Tendenzen ziehen? Und braucht es dafür vielleicht neue demokratische Prozesse? Eva Röder diskutiert mit Dr. Reinhard Müller – Frankfurter Allgemeine Zeitung; Dr. Julia Reuschenbach – Politikwissenschaftlerin Freie Universität Berlin; Dr. Mithu Sanyal – Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin