„Die Forschung weiß, dass wie wir altern eigentlich nur zu 15 Prozent in unseren Genen festgeschrieben ist. 85 Prozent sind tatsächlich Lebensstil und äußere Faktoren“, erklärt Rudolph im Gespräch mit SWR Kultur Matinee.
Die wichtigsten Grundregeln beachten
Doch wie können wir den Prozess des Alterns beeinflussen? Dazu müsse man zunächst die bekannten Grundregeln beachten, so Rudolph:
- Lebe gesund,
- meide Noxen
- und treibe Sport.
Wenn man außerdem die medizinischen Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt, hat man laut Rudolph schon eine „sehr hohe Chance, ein langes und gesundes Leben zu erreichen.“
Alternsforschung: Stress kann unsere DNA verändern
Stress durch Berufstätigkeit und Pflege von Angehörigen kann nach Ansicht von Rudolph Lebenszeit kosten. „Die Alternsforschung weiß heute, dass diese negativen Effekte wie Stress oder auch andere negative Lebensstilfaktoren wie kein Sport oder falsche Ernährung, dazu führen, dass sich dann die DNA verändert.“
Die chemische Modifikation der Erbinformation, der DNA, ändere sich im Laufe des Lebens und führe dann im Alter zu einem Verlust des Zellgedächtnisses. „Die Zellen in unserem Körper verlieren ihre Identität, wissen nicht mehr, was sie richtig tun sollen.“ Das könne sich auf die Funktion von Organen und Gewebe auswirken.
Weniger essen – länger leben?
In Deutschland hat man mit 65 bis 70 Jahren noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren. Wenn man dann über die erwähnte Gesundheitsvorsorge hinaus etwas machen möchte, rate die Alternsforschung laut Rudolph dazu, weniger zu essen, „um die Entstehung von Krankheiten hinauszuzögern und länger zu leben.“
Ich glaube schon, dass der Einfluss, was man isst, geringer ist, als wieviel man isst.“
Wieviel man esse, sei der ausschlaggebende Einflussfaktor auf das Altern. Der Forscher schlägt vor, 20 bis 30 Prozent weniger zu essen, als das der Fall wäre, wenn man sich normalerweise satt esse. Er habe sich selbst dazu entschlossen, so eine Diätrestriktion dauerhaft durchzuführen. Er sehe darin keinen Verlust an Lebensqualität. Im Gegenteil: Er fühle sich wacher und aufnahmefähiger. Es gebe auch weniger Müdigkeitsphasen nach dem Essen.
Wie kann man im Alter eine Diät umsetzen?
Man habe herausgefunden, dass Diäten nicht mehr so gut funktionieren, wenn man damit erst im Alter anfängt. Rudolph erklärt, sein Forschungsteam arbeite daran, diese Prozesse zu verstehen und Protokolle für eine leichte Diätrestriktion zu entwickeln, die das Leben und die Gesundheitsspanne verlängern, wenn man erst mit 65 oder 70 damit anfängt.
Einen positiven Effekt habe weniger essen in jedem Fall, meint Rudolph: „Wenn Sie Diätrestriktion machen, schmeckt alles, was sie essen, fantastisch gut.“
Zur Person: Karl Lenhard Rudolph ist Professor am Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena. Er erforscht die Rolle von Stammzellen im Alterungsprozess.
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