Noch wenige Monate vor ihrem Tod habe die ehemalige CDU-Politikerin Frauen aus Politik und Journalismus um sich versammelt, um für die Notwendigkeit einer Frauenquote zu plädieren, berichtet die ehemalige Taz- und Frankfurter-Rundschau-Redakteurin Bascha Mika im Gespräch mit SWR Kultur.
„Um genau nochmal deutlich zu machen: Wenn wir über Demokratie reden, dann geht das nicht ohne ein Paritätsgesetz, dann geht es nicht, ohne dass Frauen eben in der Politik gleichberechtigt sind“, erinnert sich Mika an die Haltung der ehemaligen Bundestagspräsidentin. „Das war ihr wahnsinnig wichtig.“
Eine ruhige Erklärerin
An Süssmuth habe sie immer deren gelassene Art bewundert, mit der sie Menschen überzeugte: Statt Menschen laut und polternd zu überrollen, habe Süssmuth eher versucht, ruhig zu erklären. Damit habe Süssmuth viel für die Frauenbewegung getan.
Süssmuths Verständnis von Politik lobt Mika ebenfalls, etwa im Amt der Bundestagspräsidentin. Das Format, das Rita Süssmuth im Amt hatte, merke man an der Fallhöhe zur aktuellen Amtsinhaberin Julia Klöckner.
Süssmuth sei es wichtig gewesen, sich nicht als Büttel der eigenen Partei zu verstehen. Etwas mehr Rita Süssmuth in Julia Klöckner, so Mika, wäre toll für die Politik insgesamt.
23.11.1988 Rita Süssmuth über ihren Kampf in der Aids-Politik
23.11.1988 | Rita Süssmuth ist Bundesgesundheitsministerin bis 1988, als der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl sie zur Bundestagspräsidentin vorschlägt. Süssmuth folgt diesem Ruf nicht ohne zu betonen, dass sie in der Aids-Politik weiter mitreden werde. Am 23. November 1988 gibt sie zur Überraschung vieler eine Abschiedspressekonferenz und zieht eine deutliche Bilanz. Sie habe in der Regierung oft mit dem Rücken zur Wand gestanden.