Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause
Noch sind sie zuhause. Gleich machen sie sich auf den Weg. Sechs Menschen suchen eine neue Heimat: Die kleine Hedwig, die im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter aus Ostpreußen vertrieben wird. Der jüdische Gelehrte Schlomo Ben Chaim, der im 14. Jahrhundert loszieht, um eine jüdische Gemeinde zu gründen. Rana Al Hassam, die 2015 vor dem Krieg in Syrien flieht.
In einzelnen Videos erzählen sie, warum sie ihre Heimat verlassen. „Unser Zuhause fühlt sich immer mehr wie ein Käfig an“, sagt etwa Hakan Gündoğdu, der in den 1960er-Jahren von Istanbul als Gastarbeiter nach Deutschland kommt. „Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich seit dem Militärputsch vor zwei Jahren nicht mehr sicher.“
Keine Statistiken, sondern persönliche Geschichten
Persönliche Geschichten, wie die von Hakan Gündoğdu, sind der Leitfaden der Schau. Denn Migration sei in aller erster Linie eine individuelle Erfahrung. „Das sind Menschen mit Geschichten, mit Bedürfnissen und Hoffnungen“, sagt Jan Werner, studentischer Projektmanager der Ausstellung.
„Ihnen zuzuhören kann einem viel über Migration beibringen. Die Frage 'Migration als globales Thema' oder 'Migration als lokales Thema' – die gehören zusammen und müssen zusammen gedacht werden.“
Erfahrungen unterwegs erschweren das Ankommen
Hunderte Stunden haben Studierende der Informatik in das Programmieren der KI-animierten Charaktere gesteckt, sie mit Informationen gefüttert, die wiederum andere Studierende in Interviews mit Zeitzeugen und in Quellen recherchiert haben. So erfahren wir von den Protagonistinnen und Protagonisten etwa, was auf der Strecke zwischen einer alten und neuen Heimat passieren kann. Auf dem Weg übers Mittelmeer, über den Balkan.
Das „unterwegs sein“ sei ein wichtiger Aspekt, wenn man das Thema Migration differenziert beleuchten will: „Es wird hauptsächlich darüber diskutiert was mit Migrantinnen und Migranten passiert wenn sie schon an einem neuen Ort sind. Aber auf dem Weg dorthin hat ein Mensch oft schon viel erlebt – Erfahrungen, die das Ankommen und Integrieren schwer machen“. sagt Jan Werner.
Religion verbindet in der neuen Heimat
Im Themenraum „Ankunft“ stehen kleine Nachbauten von Moscheen, von Kirchen und Synagogen, die alle in der sogenannten „neuen Heimat“ stehen. Religion spielt für viele Migrantinnen und Migranten beim Ankommen eine große Rolle spielt.
„Ankommen ist meistens damit verknüpft, dass man Menschen aufsucht, mit denen man etwas verbindet. Und das ist in vielen Fällen Religion“, sagt Prof. Stefan Hauser vom Ausstellungsteam.
Aber was bedeutet Ankommen genau? Auch darum geht es. Zeitungsartikel berichten über verheerende Zustände in Flüchtlingsunterkünften. Ankommende schildern, warum sie sich fremd fühlen. Welche Vorurteile es gegen sie gibt.
Migration – Ein zentrales Thema unserer Zeit
„Aus welchen Gründen würdest du deine Heimat verlassen?“ „Wo würdest du in einem neuen Land Anschluss finden?“ Solche Fragen stehen in einem Identitätsdokument. Eine Art Pass, den man am Eingang bekommt. Die Antworten werden nach und nach an Stationen eingescannt und fließen in eine große Statistik aller Besucherinnen und Besucher, die im letzten Raum an die Wand projiziert ist und sich täglich ergänzt.
„Ankommen Fragezeichen?" ist eine starke Schau. Multimedial auf höchstem Niveau. Inhaltlich klug vermittelt. Denn für wen Migration vor allem „Wir schaffen das“ oder „wir schaffen das nicht“ ist, kann hier einen neuen Blick auf eines der zentralen Themen unserer Zeit bekommen.
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