Einladung an die Fotoklassen
Wenn eine Klasse einer Kunsthochschule die Einladung bekommt, in einer veritablen Staatsgalerie auszustellen, dann ist das ein Angebot von der Sorte, die man nicht ablehnen kann.
Obwohl vom ersten Moment an der Druck im Raum stand, dass auf so einem Niveau einfach alles klappen muss; schildern die Stuttgarter Studentin Xenia Wahl und ihre Fotografie-Professorin Ulrike Myrzik von der Akademie der Bildenden Künste am Weißenhof.
Die Einladung der Staatsgalerie ging parallel auch an die Professorin Anja Weber von der Stuttgarter Merz-Akademie. Es mussten sich also zwei Fotoklassen erst einmal zusammenraufen – 30 Studierende mit teils völlig unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen. Genau darin liegt aber auch der Reiz des Projektes, so Weber.
Wie schaut die Gen Z auf diese Welt?
Anja Weber: „Die meisten sind aus dieser Generation, die eigentlich vollständig im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist und die auch eben diese Corona-Pandemie sehr stark abbekommen haben. Und diese Lebensrealitäten dieser Studierenden, die wollten wir anerkennen erstmal und schauen, wie gucken die eigentlich auf die Welt.“
Schlüsselbegriff und gleichzeitig Titel der Ausstellung ist „Playlist“ – eigentlich eine persönliche Auswahl von Musiktiteln, digital zusammengestellt. Für die Ausstellenden steckt in „Play“ und „List“ die Spannung zwischen individuellem Spiel und äußeren Faktoren wie Einordnen und Bewerten, erklärt Anja Weber.
Das wird an Themen wie Diskriminierung und Gleichberechtigung durchgespielt: Frauen im Handwerk, Powergirls in feministischen Rock-Bands, Lebensfreude und Stärke von Musliminnen.
„Playlist“ schlechter Nachrichten aus der Ukraine
Mitten aus dem aktuellen Weltgeschehen kommen die Bilder von Mariia Sviatohorova . Die Ukrainerin, die seit zweieinhalb Jahren in Stuttgart studiert, hat Heimatbesuche bei ihren Eltern in Kiew fotografiert. Hier bedeutet „Playlist“ die zermürbende Dauerschleife von Angst und schlechten Nachrichten.
Nicht-Ukrainer haben das Privileg kleinerer Sorgen. Xenia Wahl hat Wachsblöcke auf den Fußboden gestellt, in denen Fotos eingeschmolzen sind – unscharfe, im Trüben versinkende Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit.
Utopische Power kommt aus der Musik
Für die schönen Momente ist in der Ausstellung „Playlist“ immer wieder die utopische Power zuständig, die jede Generation aufs Neue in ihrer Musik findet. Hier sind es ziemlich punkige, rebellische Sounds, wie von der Londoner Frauen-Anarcho-Band „Petrol Girls“.
Deren Song „Sister“ endet mit einem Dreiklang von Worten, auf die sich wohl alle Akteure dieser hinreißend quirligen und schillernden Playlist einigen können: Freundschaft, Solidarität, Liebe.
Mehr Fotografie bei SWR Kultur
Zwischen Straße und Feed Nice Trash – Digitale Stadtansichten des Instagram-Creators Paulus Goerden in Stuttgart
Das Stadtpalais Stuttgart zeigt Handy-Fotos und -videos des jungen Düsseldorfer Digitalkünstlers und Content Creators Paulus Goerden. Der hat eigens für die Ausstellung neue Bilder aufgenommen.