Spielerischer Beginn
Die Ausstellung beginnt spielerisch. Auf einem riesigen, hell erleuchteten Bildschirm legen zwei Hände Tangram-Puzzle-Teile. Anna Barham hat sich lange Zeit mit Anagrammen beschäftigt, also mit Wörtern oder Sätzen, die aus den immer gleichen Buchstaben neu zusammengesetzt werden können.
Beim Tangram werden aus sieben Teilen eines Quadrats, immer neue Formen zusammengesetzt. Das Video zeigt die Künstlerin beim Puzzeln.
Experimente mit Computerprogrammen
Anna Barham fasziniert die Frage, wie Sprache funktioniert: wie aus lauter einzelnen, immer gleichen Buchstaben die komplexesten Texte entstehen, wie wir einzelnen Wörtern Sinn entnehmen bzw. zuschreiben und wie Buchstaben Laute zugeordnet werden.
Vor allem wie sich Text in Sprache und Sprache in Text verwandelt. Seit es „speech to text“-Programme gibt, also Computerprogramme, die gesprochene Sprache in geschriebenen Text verwandeln, experimentiert die Künstlerin damit.
Barham erklärt: „Das enthüllt die Herausforderungen, wie das ist, wenn wir künftig immer mehr mit solchen Programmen arbeiten. Und stellt auch die Frage: wie werden solche Programme trainiert? Mit welchen Stimmen? Was ist, wenn jemand Dialekt spricht oder kein native speaker ist?“
Neue Herausforderungen werden enthüllt
In der Installation „Out of Gravel“ hat Anna Barham die Besucherinnen und Besucher einer Ausstellung den immer gleichen Text lesen lassen – und die Aufnahmen dann durch ein „speech to text“ Programm gejagt.
Das funktioniert wie das Spiel „Stille Post“. Da das Computerprogramm nicht immer alles korrekt versteht und wiedergibt, setzen sich Fehler und Missverständnisse immer weiter fort und führen zu teils abstrusen Ergebnissen.
Anna Barham hat die verschriftlichen Aufnahmen auf einem 32 Meter langen Papierstreifen ausgedruckt, der quer durch mehrere Ausstellungsräume an die Wand tapeziert wurde – über Türrahmen, Fenster und Lichtschalter hinweg.
Die Text-Vorlagen sind Versatzstücke aus Werken von Judith Butler, Gertrude Stein, Bruce Nauman, Pauline Oliveros und anderen. Gedanken zu Sprache, Erinnerungen und Definitionen des modernen Kunstbegriffs.
Spielerisch leicht und sinnlich
Für die Direktorin des Badischen Kunstvereins, Anja Casser, passen die Arbeiten von Anna Barham perfekt in ihre Ausstellungsreihe mit Künstlerinnen der konkreten Poesie, die sie in loser Reihenfolge seit ein paar Jahren gezeigt hat – von Lily Greenham bis Lenora de Barros. Sie ist froh, mit Anna Barham jetzt eine jüngere Position gefunden zu haben.
Die Werke von Anna Barham sind trotz ihrer komplexen Themen und Fragestellungen spielerisch leicht und sinnlich. Eine Ausstellung voller Stimmen, die einen verführen, über die Zukunft von Sprache nachzudenken.
Mehr Künstlerinnen:
Rätselhafte Malerin des 19. Jahrhunderts Mittelrhein Museum Koblenz entdeckt Bertha Falckenberg
Bertha Falckenberg gilt als die erste ausgebildete Künstlerin von Koblenz, die nun in einer Ausstellung im Mittelrhein Museum Koblenz wieder entdeckt wird.
Keine einzige Frau bei der legendären Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ 1925 Die „neue Frau“? Die unsichtbaren Künstlerinnen der Neuen Sachlichkeit
Ein neues Frauenbild prägte die Weimarer Republik. Aber die Frauen der „Neuen Sachlichkeit“ , die Künstlerinnen, führten lange ein Schattendasein und werden heute neu entdeckt.