Rätselhafte Malerin des 19. Jahrhunderts

Mittelrhein Museum Koblenz entdeckt Bertha Falckenberg

Für viele Frauen im 19. Jahrhundert musste das Malen ein Traum bleiben, denn sie waren an staatlichen Kunstschulen nicht zugelassen. Anders Bertha Falckenberg, ihre Eltern schickten sie auf eine private Malschule. So gilt sie als die erste ausgebildete Künstlerin von Koblenz, die nun wieder entdeckt wird.

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Von Autor/in Paula Zeiler

Die erste Falckenberg-Ausstellung überhaupt

„Kaffeeklatsch“ steht unter einer kleinen Skizze. Vier Frauen aus dem scheinbar gehobenen Bürgertum sitzen an einer Kaffeetafel, sie tragen hochgeschlossenen Kleider und Hauben. Das galt in den 1880ern als modern. Die Linien sind etwas verspielt, aber stets realistisch. 

Auf einem Tisch liegen mehrere Skizzen mit Bleistift und Kohle gezeichnet.
Das Mittelrhein Museum besitzt inzwischen über hundert Skizzen von Bertha Falckenberg.

Im Skizzenbuch finden sich viele Zeichnungen von Bertha Falckenberg. „Sie ist da auch sehr abwechslungsreich gewesen, sie hat auf den Reisen mit ihren Eltern nach Borkum oder in die Schweiz immer gezeichnet.“ Das sagt Aaron Scherer. Er kennt ihren Nachlass, denn er hat die Ausstellung konzipiert.

Diese Ausstellung, die wir hier im Mittelrhein-Museum zeigen, ist die erste Ausstellung, die sie überhaupt hat. Sie hat auch in ihrer Berliner Zeit, das waren Lehrjahre, nie ausgestellt.

Eine private Malschule

Geboren 1867 als Tochter eines preußischen Bankdirektors wächst Bertha Falckenberg in Koblenz auf. Ihre Eltern fördern sie und ihr Talent – das Zeigen auch Zeichnungen die sie bereits mit 12 Jahren angefertigt hat.

Mit Anfang 20 geht Bertha Falckenberg nach Berlin an eine private Malschule. Da Frauen der Zugang zu Staatlichen Kunstschulen verwehrt ist, besucht sie die private Malschule von Karl Gussow, einem bekannten Portraitmaler. 50 Mark bezahlt sie ihm im Monat – für damalige Verhältnisse eine hohe Summe.

Bertha Falckenberg
Klausenburg, 1886 Pressestelle Mittelrhein Museum Koblenz

Zu den Werken, die aus ihrer Lehrzeit in Berlin erhalten sind, gehört sogar ein Akt einer jungen Frau – das war sehr ungewöhnlich. Denn während Künstlerinnen in Frankreich bereits ab 1890 an gemischten Aktklassen teilnahmen, war Deutschland besonders prüde. Den Tipp Menschen und ihre Proportionen genauer zu studieren, gab ihr wohl ihr Lehrer Karl Gussow.

Das Ende des Malens bleibt ein Rätsel

Nach zwei Jahren in Berlin kehrt Bertha Falkenberg 1888 nach Koblenz zurück. Doch wenige Jahre später, 1899, hört Bertha Falckenberg mit nur 32 Jahren ganz auf zu malen. Für Aaron Scherer ein Rätsel, da Falckenberg weder heiratete noch andere soziale Pflichten der damaligen Zeit übernahm:

„Wie kann es sein, dass diese Frau nicht erfolgreich geworden ist, nicht bekannt geworden ist? Und wie kann es sein, dass jemand, der mit so viel Passion und Leidenschaft und auch Können und Talent daran geht, plötzlich auf einen Schlag im Grunde aufhört zu malen und das ganze ad acta legt und sich dann 52 Jahre nicht mehr künstlerisch betätigt?“

Spiegel des jungen Kaiserreichs

Und so hofft das Mittelrhein Museum Koblenz, dass noch weitere Werke von Bertha Falckenberg auftauchen, die sie noch mit 40 oder 50 Jahren angefertigt hat.

Künstlerisch spiegeln Bertha Falckenbergs Werke das junge Kaiserreich. Motive und Materialien sind typisch für die Zeit. Die Ausstellung „Traum vom Malen“ hält, was sie verspricht: Der Besucher lernt Bertha Falckenberg kennen. Von Bild zu Bild sieht man, wie aus einem jungen Mädchen eine Künstlerin wird. Eine Künstlerin, die über 100 Jahren nach ihrem letzten Schaffen jetzt neu entdeckt wird.

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