Marc-Aurel-Landesausstellung Trier

Ehebrecherin oder Göttin? Faustina spielte im Leben Marc Aurels eine große Rolle

In der großen Landesausstellung in Trier wird der römische Kaiser Marc Aurel mit all seinen Facetten vorgestellt. Eine große Rolle spielt seine Ehefrau Faustina. Zu Lebzeiten wurde sie geehrt, nach ihrem Tod zur Göttin erhoben, doch später auch von Historikern als Ehebrecherin verunglimpft.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Mit 15 Jahren heiratet Faustina Marc Aurel

Die junge Frau hat ein zartes Gesicht, große Augen, schön geschwungene sinnliche Lippen und sorgfältig in Wellen gelegte Haare. Die 17-jährige Faustina, dargestellt in einer zeitgenössischen römischen Porträtbüste.

Sie sieht etwas traurig und nachdenklich aus. Ihr Vater, Kaiser Antoninus Pius, hatte sie schon als achtjähriges Kind mit seinem Adoptivsohn und Thronfolger Marc Aurel verheiratet. Faustina war 15 als sie den fast zehn Jahre älteren Marc Aurel heiratete. 

 Faustina war die wichtigste Frau im römischen Reich

„Mit 17 Jahren bringt Faustina das erste Kind zur Welt, eine Tochter“, sagt Katharina Ackenheil. „Das ist Anlass für den Kaiser, ihr den Ehrentitel einer Augusta zu verleihen. Die höchste Ehre, die einer Frau im römischen Reich zu Teil werden kann.“

Faustina wurde schon als Kind mit dem späteren Kaiser Marc Aurel verlobt. Sie und Marc Aurel hatten 11 Kinder, die fast alle früh starben.
Faustina stammte aus einer einflussreichen römischen Familie. Sie bekam 11 Kinder, die fast alle früh starben.

Das heißt, sie war die wichtigste Frau im römischen Reich, so Ackenheil, die für die Marc-Aurel-Landesausstellung in Trier anhand archäologischer Spuren versucht, mehr über das wirkliche Leben dieser Faustina herauszufinden.

Eine hingebungsvolle, zärtliche Frau

Dabei hat sie auch private Quellen Marc Aurels durchforstet, zum Beispiel erhaltene Briefe oder Abschnitte seiner Selbstbetrachtungen. 

„Er beschreibt Faustina als sehr hingebungsvoll, zärtlich“, sagt Katharina Ackenheil. Auch der Gesundheitszustand der Kaiserin sei oft Thema in der Briefkorrespondenz zwischen Marc Aurel und seinem Lehrer Fronto.

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„Sie hat durch die vielen Geburten sicherlich körperliche Leiden gehabt, litt auch öfter an Fieber. Das Wohlergehen der Kinder wird in diesen Briefen angesprochen. Immer wieder werden auch Grüße an sie ausgerichtet oder von ihr an Fronto – da scheint es eine enge Verbindung gegeben zu haben“, so Ackenheil.

 Faustinas Fruchtbarkeit verbreitet hoffnungsvolle Zeiten

Elf Kinder bringt Faustina zur Welt. Ihr Porträt ist auf römischen Münzen dargestellt und es gibt auch kostbare Schmuckstücke wie ein antikes Kameo, das sie im Doppelporträt mit Marc Aurel zeigt: Marc Aurel und Faustina, die sich ansehen – das verkörpere das Ideal der kaiserlichen Familie.

Die Münzprägungen sollen vor allem Faustinas Fruchtbarkeit betonen, sagt Ackenheil. „Die hoffnungsvollen Zeiten, die mit ihr beginnen, der Kinderreichtum wird gefeiert, das ist natürlich eine Botschaft, die man reichsweit auf Münzen verbreitet.“ 

 Marmorbüste zeigt Faustina als würdevolle Gattin

Faustina als vorbildliche Kaisergattin – so zeigt sie auch eine römische Porträtbüste aus dem Louvre, die jetzt in Trier zu sehen ist. Die reife Frau mit feinen Gesichtszügen als würdevolle Repräsentantin. 

„Faustina hat einfach eine wunderbare Aura, wenn man direkt davorsteht. Auch ihre Kleidung, das Manteltuch, das um die Schulter gelegt ist, die Tunika, die sie trägt, eine wunderbare Frisur, es ist ein ganz tolles Bildnis von ihr“, sagt Ackenheil.

 Von der Heiligen zur Ehebrecherin

Faustina begleitet ihren Mann Marc Aurel auch ins Feldlager, die Soldaten verleihen ihr den Titel Mater Castrorum, verehren sie als eine Art Schutzherrin. Nach Faustinas Tod werden ihr zu Ehren silberne Statuen in Rom aufgestellt der Senat erklärt sie zur Göttin.

Doch einige Zeit später wendet sich das Blatt. „In der späteren schriftlichen Überlieferung, so ab dem dritten bis vierten Jahrhundert nach Christus, wird Faustina ein sehr schlechter Ruf nachgesagt, dass sie einen Hang zum Ehebruch hatte. Da gibt es ganz abenteuerliche Geschichten.“     

Rufschädigung beginnt im dritten Jahrhundert

Katharina Ackenheil geht bei ihrer Spurensuche davon aus, dass Commodus, der missratene Sohn Marc Aurels und Faustinas der Grund für diese Rufschädigung ist. So habe man früh versucht zu erklären, dass Marc Aurel, der gute Kaiser, eigentlich nicht der Vater sein kann von so einem Tyrannen.

„Commodus legte fragwürdige Züge an den Tag, man machte ihm viele Vorwürfe: Tyrannei, Inzest, er trat als Gladiator auf – also ein Verhalten, dass einem römischen Kaiser unwürdig war“, sagt Ackenheil.

 Es bleiben viele Fragezeichen

Die Mutter wird als Ehebrecherin verunglimpft, Geliebte von Gladiatoren, Pantomimen und Seeleuten, die sich auch einem Usurpator an den Hals geworfen hätte, der Marc Aurel habe stürzen wollen, was misslungen sei. Was ist dran an diesen Geschichten aus antiken Quellen?

Das ist Männergeschichte, was da geschrieben wird.

Es sei schwer, sich Faustina als Person und Kaiserin zu nähern, schlussfolgert Katharina Ackenheil: „Das ist Männergeschichte, was da geschrieben wird. Es geht immer um Marc Aurel oder um Commodus. Faustina wird letztlich wie eine Art Vorlage verwendet, um Entwicklungen zu erklären. Deshalb bleiben auch viele Fragezeichen.“ 

 Eine römische Frau im Schatten der kaiserlichen Macht – wie mag es ihr tatsächlich ergangen sein? Die kostbaren Exponate zu den glanzvollen Seiten ihres Lebens in der Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel regen die Phantasie an und sind auf jeden Fall sehenswert. 

 

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Nicole Mertes