Wo Frida Kahlo drauf steht, ist Erfolg drin
„Viva Frida Kahlo“, unter diesem Motto lockt eine immersive Ausstellung die Besucher*innen nach Stuttgart. Die Ausstellungsmacher versprechen „ein farbenfrohes, sinnliches Erlebnis voller Lebenskraft“. Aber solch ein Versprechen braucht es gar nicht. Alles, wo Frida Kahlo draufsteht, wird zum Erfolg. Und das schon seit Jahrzehnten
Angefangen habe der Hype um die surrealistische Malerin in den 80er Jahren, sagt die aus Brasilien stammende Kunsthistorikerin und Künstlerin Laura Rodrigues. Sie schrieb ihre Promotion über die Wirkungsgeschichte von Frida Kahlo in Deutschland. „Als ich zum Studium nach Freiburg kam, ist mir aufgefallen, welch hohen Stellenwert Frida Kahlo hier hat. Sie war bei Weitem die bekannteste lateinamerikanische Künstlerin.“
Ikone der feministischen Kunst
Die große Beliebtheit von Frida Kahlo in Deutschland habe sie verblüfft, sagt Laura Rodrigues. Mit ihrer Doktorarbeit wollte sie der Ursache auf den Grund gehen und fand heraus, dass Frida Kahlo die ersten Jahrzehnte nach ihrem Tod in Europa kaum Beachtung fand. „Das änderte sich in den 80er Jahren, als Kahlo für ihre linke politische Haltung gefeiert, aber vor allem von Feministinnen verehrt wurde.“ Die ersten größeren Ausstellungen mit Werken Frida Kahlos hätten sich mit der Aufwertung von Frauen in der Kunst beschäftigt.
Damals sei Frida Kahlo nur bei Insidern bekannt gewesen. „Ihr Mann Diego Rivera war anfangs viel berühmter. Er hätte sich vermutlich selbst nie träumen lassen, dass seine Frau ihn einmal in den Schatten stellen würde“, vermutet Laura Rodrigues. Dass es inzwischen erfolgreiche Kahlo-Bücher, Filme, Kalender, Taschen, T-Shirts und vieles mehr gibt, hänge unmittelbar mit der bewegten Lebensgeschichte von Frida Kahlo zusammen, ist sich Laura Rodrigues sicher. Publik wurde die ab Anfang der 80er Jahre durch die später auch erfolgreich verfilmte Biografie der Amerikanerin Hayden Herrera.
Leben voller Schicksalsschläge
„Ich denke, dass das Wissen über ihre Lebensgeschichte die Kunst von Frida Kahlo so berühmt gemacht hat.“ Die Künstlerin war als Kind schwer an Polio erkrankt, als Jugendliche erlitt sie einen schweren Straßenbahnunfall, bei dem unter anderem ihr Becken von einer Metallstange durchbohrt wurde. Die Folgen von Krankheit und Unfall begleiteten Frida Kahlo ihr Leben lang.
Sie führte eine toxische Beziehung zum Maler Diego Rivera, in dessen Schatten sie lange stand. Frida Kahlo litt teilweise unter Depressionen, sie war ungewollt kinderlos. Dieser Schmerz sei ein zentraler Teil ihres künstlerischen Werkes, sagt Kunsthistorikerin Laura Rodrigues. Deswegen werde Frida Kahlo auch weiterhin beliebt sein: „Sie spricht Themen an, die zeitlos sind. Das Leid spielt eine große Rolle bei Frida Kahlo und das ist grundmenschlich.“
Kunst ohne Kitsch
Zum Kitsch würde Kahlos Werk aber nie werden, ist sich Laura Rodrigues sicher. Die Gefahr bestehe bei besonders publikumswirksamer Kunst zwar immer, aber es spreche im Grunde für die Bilder, dass sie so markttauglich sind, durch ihre starke Botschaft. „Wenn Frida heute leben würde, würde sie sich sicher über diesen riesigen Erfolg amüsieren.“
Durch den üppigen Frida Merchandise seien zwar vor allem ihre durchdringenden Selbstporträts bekannt. Aber die funktionieren laut Laura Rodrigues wie ein Türöffner zu Kahlos weiterem Werk. „Durch diese starken, bunten Selbstbildnisse fragt man sich: wer ist diese Frau? Die Porträts machen neugierig und das weitere Werk noch viel spannender.“