1. Frida Kahlo und Diego Rivera: Nicht mit und nicht ohne einander
2. Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp: Sie verdient das Geld, er wird bekannt
3. Jackson Pollock und Lee Krasner: Altmodische Rollenverteilung
4. Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely: Gemeinsame Arbeit, unterschiedliche Kunst
5. Marina Abramović und Ulay: Beziehung als Performance?
1. Frida Kahlo und Diego Rivera: Nicht mit und nicht ohne einander
Frida Kahlo ist heute wohl eine der einflussreichsten und bekanntesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch zu Lebzeiten war ihr Mann Diego Rivera deutlich bekannter: Als sie 1929 den fast 21 Jahre älteren mexikanischen Maler heiratete, war er längst für seine politischen Wandbilder weltberühmt.
Untreue, Affären und eine zweite Ehe
Ihr politisches Engagement verband die beiden genauso wie die Kunst. Das Paar soll zwar eine leidenschaftliche, aber auch zwiespältige Beziehung gehabt haben, die auch von Untreue geprägt war. Frida Kahlo beklagte immer wieder die Affären von Diego Rivera.
Er soll ihr sogar mit einer ihrer Schwestern untreu gewesen sein. Aber auch Kahlo hatte Affären, zum Beispiel mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki.
1939 ließ sich Frida Kahlo von Rivera scheiden, der trotzdem ein wichtiger Mann in ihrem Leben blieb – und ein Unterstützer ihrer Kunst. Rund ein Jahr später, im Dezember 1940, heiratete das Paar schließlich ein zweites Mal.
Beziehungsprobleme werden zum Kunst-Motiv
Die komplizierte Beziehung der beiden findet sich auch in den Bildern von Frida Kahlo wieder. Denn in ihren Arbeiten drückte sie oft aus, was sie emotional bewegte. Dornen und Nägel beispielsweise zeigen in ihren Selbstportäts ihr Leiden: Sie litt unter ihrer chronischen Krankheit wie auch unter den Eheproblemen mit Rivera.
Dass Kahlos Werk heute deutlich bekannter ist als das ihres Mannes wirkt fast wie eine ironische Umkehr der Geschichte. Doch immerhin nannte sich Rivera selbst einen „fanatischen Bewunderer ihres Werkes“.
2. Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp: Sie verdient das Geld, er wird bekannt
Die Beziehung von Hans Arp und Sophie Tauber-Arp wirkt im Vergleich zu den beiden mexikanischen Künstlern weniger konfliktreich – und das obwohl die Arbeiten von Sophie Taeuber-Arp zeit ihres Lebens im Schatten ihres Mannes standen.
Dabei sicherte die Künstlerin fast 12 Jahre lang den gemeinsamen Lebensunterhalt für sie und ihren Mann durch ihre Tätigkeit in der Lehre der Kunstgewerbeschule in Zürich.
Zwei Künstler der Dada-Bewegung: Zusammenarbeit und Inspiration
Sophie Taeuber-Arp war neben der Malerei auch oft in Bereichen des Kunsthandwerkes tätig, wie zum Beispiel im Tanz und der Textilkunst, später auch als Innenarchitektin. Hans Arp hingegen ist vor allem als abstrakter Künstler und Bildhauer bekannt.
Frauen in Kunst und Politik: Im Schatten der Männer
Beide waren eng mit der Dada-Bewegung verbunden und lernten sich auch bei der Dada-Gruppe in Zürich kennen. Arp und Taeuber-Arp entwickelten immer wieder auch gemeinsame Projekte und Kunstwerke, arbeiteten beispielsweise zusammen an Holzreliefs.
Plötzlicher Tod seiner Frau: Schaffenskrise bei Hans Arp
Die Künstler beeinflussten und inspirierten sich gegenseitig in ihrem künstlerischen Schaffen bis Sophie Taueber-Arp 1943 plötzlich an einer Kohlenmonoxidvergiftung starb. Dieser Verlust löste bei Hans Arp eine Schaffenskrise aus, er brauchte Jahre um sich davon zu erholen.
Spätestens in den 1950ern waren Hans Arps Arbeiten schließlich international bekannt, während Sophie Tauber-Arps kunsthandwerkliches Schaffen weniger Beachtung fand. Heute widmet sich das Arp Museum Bahnhof Rolandseck schließlich beiden Künstlern.
3. Jackson Pollock und Lee Krasner: Altmodische Rollenteilung
Schon mit 13 Jahren soll sich Lee Krasner dazu entschieden haben, Künstlerin zu werden – zu einer Zeit als Frauen in der Kunstszene immer noch unterrepräsentiert waren. Doch Krasner schaffe es in den 1940ern Mitbegründerin der New Yorker Avantgardbewegung zu werden und gilt heute als Pionierin des abstrakten Expressionismus.
Zu Lebzeiten war sie jedoch vor allem als „Mrs. Pollock“ bekannt, während ihr Mann Jackson Pollock durch seine Action Paintings als Revolutionär des abstrakten Expressionismus weltberühmt wurde. Beide arbeiteten also in der gleichen Kunstrichtung und starteten sogar von einem ganz ähnlichen Karrierelevel.
Krasner förderte Pollocks Karriere
Doch nachdem die beiden ein Paar wurden, stellte Krasner ihre eigene Karriere hintenan und förderte die ihres Mannes: Sie unterstützte Pollock nicht nur, sondern wurde seine Managerin, organisierte Ausstellungen und stellte ihn wichtigen Künstlern und Kritikern vor.
Die beiden lebten also eine ziemlich traditionelle Rollenverteilung, bei der die Frau für die Karriere des Mannes zurücksteckt.
Nachlass und künstlerische Neuorientierung
Künstlerisch sollen sich beide in ihren Arbeiten unterstützt haben. Pollock sei etwa stolz wie ein Pfau gewesen, als seine Frau eine erfolgreiche Ausstellung hatte. Doch sein Alkoholkonsum war eine Herausforderung für die Beziehung.
Nach Pollocks plötzlichem Unfalltod, war Krasner schließlich nicht nur seine Alleinerbin, sondern verwaltete auch seinen Nachlass und hielt an dem Ziel fest, seine Arbeit bekannt zu machen.
Ich habe vor Pollock, während Pollock, nach Pollock gemalt.
Gleichzeitig begann für sie eine Zeit der künstlerischen Neuorientierung. Krasner bezog Pollocks größeres Atelier, wo sie großformatigen Bildern arbeiten konnte. Immer wieder wandelte sich ihr künstlerischer Stil und genoss schließlich späteren Erfolg.
4. Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely: Gemeinsame Arbeit, unterschiedliche Kunst
Das Traumpaar der Kunstszene der 1960er Jahre lebte dagegen wohl eine etwas gleichberechtigtere Arbeitsbeziehung. Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely arbeiteten jeweils an ihrer eigenen, sehr unterschiedlichen Kunst und waren gleichzeitig immer wieder an Aktionen und Arbeiten des anderen beteiligt.
Zum 100. Geburtstag Jean Tinguely: Der Pionier der kinetischen Kunst
Jean Tinguely war ein Pionier der kinetischen Skulptur und knüpfte an die Traditionen des Dadaismus an. Er arbeitete überwiegend mit Metallteilen und schuf großformatige Installationen. Am 22. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden, und das Museum Tinguely in Basel möchte ihn feiern.
Enge künstlerische Zusammenarbeit
Die Künstler lernten sich 1956 kennen und lebten seit 1960 zusammen, bevor sie 1971 heirateten. Beide gehörten zur Künstlergruppe Nouveau Réalisme und nahmen gemeinsam an Ausstellungen teil.
Niki de Saint-Phalle war erst für ihre sogenannten Schießbilder bekannt, dann für ihre bunten weiblichen Nana-Skulpturen. Der Schweizer Künstler Jean Tinguely hingegen gilt als ein Hauptvertreter der kinetischen Kunst: Seine Skulpturen sind bewegliche Maschinen.
Außerdem unterstützte Jean Tinguely seine Frau bei der Arbeit an gleich mehreren monumentalen Arbeiten, wie zum Beispiel dem Tarot-Garten in der Toskana. 1966 arbeitete Tinguely auch an der 29 Meter langen liegenden Skulptur „Hon“ mit, die im Stockholmer Museum Moderna Museet durch ihre Vagina betreten werden konnte.
Trotz ihr engen Beziehung trennte sich das Paar schließlich, blieb aber bis zu Tinguelys Tod freundschaftlich und künstlerisch verbunden. Mit einer Schenkung von Werken ihres Mannes ermöglichte Niki de Saint-Phalle später auch den Bau des Museums Tinguely in Basel.
5. Marina Abramović und Ulay: Beziehung als Performance?
Die wohl spektakulärste Trennung unter den bekannten Künstlerpaaren hatten die beiden Performance-Künstler Marina Abramović und Ulay. Nach jahrelanger Vorbereitung brachen die beiden 1988 zu einer 90 Tage dauernden Wanderung auf: Sie starten an den entgegengesetzten Enden der Chinesischen Mauer, um sich nach jeweils 2.500 Kilometern Fußmarsch in der Mitte zu treffen und zu trennen.
Ursprünglich war die Aktion als Feier ihrer Lieber geplant. Doch statt zu heiraten, gingen die beiden seitdem getrennte Wege. „The Lovers – The Great Wall Walk” ist damit so etwas wie der Höhepunkt einer jahrelangen Beziehung und Zusammenarbeit.
Körperliche Grenzerfahrungen als Paar
Zwischen 1976 und 1988 hatten die beiden immer wieder spektakuläre Performances entwickelt, in denen sie nicht nur gesellschaftliche Grenzen ausloteten, sondern auch die eigenen körperlichen Grenzen. Ihre Arbeiten thematisierten Abhängigkeit und Schmerz genauso wie Liebe und Vertrauen.
In einer Performance ohrfeigen sich die Künstler 20 Minuten lang gegenseitig, in einer anderen legt Abramović buchstäblich ihr Leben in die Hände ihres Partners: Die beiden spannen einen Bogen, indem sie sich beide zurücklehnen, während die Pfeilspitze auf das Herz von Abramović gerichtet ist.
Überraschendes Wiedersehen nach jahrelanger Funkstille
Nach ihrer Trennung zog sich Ulay größtenteils aus der Öffentlichkeit zurück, während Abramović zu einer der bekanntesten Performance-Künstlerin unserer Zeit wurde. 2010 kam es schließlich zu einem medienwirksamen Wiedersehen der beiden.
Ulay überraschte Abramović bei ihrer Performance „The Artist is present“ im New Yorker Museum of Modern Art. Die beiden sitzen sich schweigend gegenüber und geben sich schließlich die Hände: einer der berührendsten Momenten der neueren Kunstgeschichte, der trotz aller Performance wie echtes Leben und große Gefühle wirkte.