Performance mit Pflege-Roboter Pepper

Mensch trifft Maschine: „Ich habe Daten über Sehnsucht, aber ich fühle sie nicht“

Er ist so groß wie ein sechsjähriges Kind, kann sich bewegen und sprechen: der Roboter Pepper ist eigentlich für die Pflege gedacht. In Kaiserslautern traf er nun im Rahmen einer Performance auf Schauspielerin Hannelore Bähr. Ein Versuch, menschliche Nähe mit einer Maschine zu simulieren.

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Von Autor/in Leonie Berger, Imogen Voth

Im Rahmen der Ausstellung „Forever Young: Tardigrada“ in Kaiserslautern, die sich mit dem Älterwerden beschäftigt, sprach die Schauspielerin Hannelore Bähr mit dem Roboter Pepper. Es ging um Rilke, Roboter und Menschen im Film und um Gefühle.

Sehnsucht war Pepper als interessantes Konzept bekannt, doch:

Ich habe Daten über Sehnsucht, aber ich fühle sie nicht.

Ein Pflege-Roboter (noch) ohne K.I.

Damit löste Pepper im Publikum sofort Mitleid aus. Die Gefühle waren an diesem Abend etwas einseitig verteilt. Pepper wirkt niedlich mit dem runden Kopf und den großen Augen – Menschen reagieren zuverlässig auf das Kindchenschema.

Umgekehrt kann Pepper die emotionale Verfassung seines Gegenüber zwar anhand von Gestik und Mimik analysieren, aber er ist nur programmiert. In Pepper steckt (noch) keine K.I. Er lernt nicht dazu und kann keine neuen Daten sammeln und einordnen.

Auch sein Einsatz mit Schauspielerin Hannelore Bähr war einstudiert. Normalerweise interagiert Pepper mit Menschen in Seniorenheimen. Er animiert sie, sich zu bewegen, stellt Quizfragen oder reißt auch mal einen Witz.

Tardigrada Kaiserslautern
Peppers Kommunikationsfähigkeit muss im wahrsten Sinne des Wortes herausgekitzelt werden.

Positive Reaktionen von alten Menschen

Der Einsatz von Pepper wurde schon in verschiedenen Seniorenheimen getestet. Die alten Menschen reagierten meist offen auf den Roboter. Auch wenn es das erste Mal war, dass sie mit jemandem wie ihm zu tun hatten. Sie hatten Spaß an dem Kerl mit dem Bildschirm auf der Brust, fühlten sich unterhalten und weniger einsam.

Pepper kann so kleine Gruppen beschäftigen, während sich das Pflegepersonal um wichtige Dinge kümmern kann, die nach wie vor von Menschen gemacht werden müssen: Tabletten sortieren oder im Bad unterstützen.

Caritas testet Pflegeroboter "Pepper" | BR24

Pflege-Roboter sind eine Ergänzung, kein Ersatz

Esther Berkemer, Professorin für Pflegewissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, sieht bislang begrenzte Einsatzmöglichkeiten für Pflege-Roboter wie Pepper.

Man müsse noch prüfen, wie Menschen mit Einschränkungen auf ihn reagierten. Auf Seh- oder Hörbehinderte könne er vielleicht auch gespenstisch wirken. Dem komplexen Vorgang Pflege wird Pepper noch nicht gerecht.

Menschliche Interaktion lässt sich nicht standardisieren.

Tardigrada Kaiserslautern
Was nach außen wie ein normales Gespräch wirkt, ist eigentlich ein perfektes vorbereitetes Spiel zwischen Pepper und Hannelore Bähr.

Eine menschliche Umarmung kann Pepper nicht ersetzen

Auch wenn Pepper positiv auf Berührungen reagiert und sich für Streicheleinheiten bedankt, so kann er eine menschliche Umarmung natürlich nicht ersetzen. Zur Zeit ist er eher noch ein Spielzeug zum Zeitvertreib.

In die Zukunft gedacht könnte sein Wert allerdings nicht zu unterschätzen sein: Er kann das Pflegepersonal entlasten. Vielleicht kann er eines Tages auch kulturelle Grenzen überbrücken, weil er viele Sprachen spricht.

Oder Pepper merkt sich irgendwann den Lieblingsschlager seiner Schützlinge, obwohl er selbst immer nur behaupten können wird, dass dieser sein Herz höher schlagen lässt.

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Autor/in
Leonie Berger
SWR Kultur Autorin Leonie Berger
Imogen Voth