5800 Geflüchtete lebten in Berlin Tegel, als das „Spiegel“-Team dort im letzten Jahr recherchierte. Oft behindert vom Aufsichtspersonal gelang es ihm dennoch, das Elend der Menschen zu dokumentieren.
Leben ohne jede Intimsphäre – Männer, Frauen, Kinder – eingepfercht auf engstem Raum. Dazwischen Haustiere. Kaputte Toiletten und viel zu wenig Sanitäranlagen in den überbelegten Räumen. Alles weit draußen vor der Stadt.
Katastrophale Lebensbedingungen
Daraus ist eine einfühlsame und beeindruckend recherchierte Reportage entstanden. „Das Lager“, erschienen im „Spiegel“, erhält in diesem Jahr den Hansel-Mieth-Preis der Weinstädter Agentur Zeitenspiegel.
Das Autorenteam Frauke Hunfeld und Alexander Kauschanski sowie der Fotograf Maxim Avdeev berichtet mit dieser Reportage über die katastrophalen Bedingungen, unter denen Menschen in der Flüchtlingsunterkunft Berlin-Tegel leben. Ihre Recherche belegt außerdem, dass etliche Firmen gut an dem Elend der Menschen dort verdienten.
Migration als Provisorium?
Preisträgerin Frauke Hunfeld sieht Tegel als ein Spiegelbild deutscher Migrationspolitik: „Weil wir nicht anerkennen, dass das Thema Migration nichts ist, was irgendwann wieder weggeht. Es ist ein Provisorium von dem wir immer noch behaupten, dass Migration so aussieht oder auch Fluchtbewegung.“
Ein Fazit der Reportage: Migrationspolitik in Deutschland müsste endlich professionalisiert werden. Der Hansel-Mieth-Preis für herausragende Reportagen in Schrift und Bild wird alljährlich in Fellbach verliehen. Der Preis ist auf 6.000 Euro dotiert.
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