Von Weinbrenner zu neuen Stadt-Ideen

Schlosslichtspiele Karlsruhe beginnen: Leuchtende Visionen einer Stadt

Friedrich Weinbrenner hat Karlsruhe geprägt wie kaum ein anderer Architekt. Zum 200. Todestag rücken die Schlosslichtspiele seine Bauwerke ins Licht und verbinden sie mit neuer Medienkunst.

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Von Autor/in Lea Krug

Besucherinnen und Besucher bei den Schlosslichtspielen in Karlsruhe.
Besucherinnen und Besucher bei den Schlosslichtspielen in Karlsruhe. IMAGO/Depositphotos

Wenn die Sonne untergegangen und das Karlsruher Schloss zur Projektionsfläche geworden ist, dann ist in Karlsruhe wieder Zeit für die Schlosslichtspiele. Die historische Fassade verwandelt sich in eine Leinwand mit bewegten Bildern. Formen lösen sich auf und Räume entstehen neu.

In diesem Jahr blickt das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) dabei zurück auf einen Mann, dessen Schaffen die Stadt bis heute prägt: Friedrich Weinbrenner. Anlässlich seines 200. Todestags beschäftigen sich die Schlosslichtspiele insbesondere auch mit seiner Architektur.

Weinbrenner ist in Karlsruhe überall

Kein Zufall, denn wer durch Karlsruhe geht, begegnet seinen Bauwerken an vielen Stellen: der Marktplatz mit seiner Pyramide, die Stadtkirche, das Markgräfliche Palais oder das einstige Ettlinger Tor – all diese Bauwerke sind mit Friedrich Weinbrenner (1766–1826) verbunden.

Besonders auffällig sind Weinbrenners Vorliebe für die klassizistischen Formen der Antike. Das zeigt sich etwa an der Stephanskirche, die Experten zufolge an den Pantheon in Rom erinnert.

Doch zu den wohl auffälligsten Bauwerken Weinbrenners gehört ohne Zweifel die Pyramide auf dem Karlsruher Marktplatz. Sie markiert die Grabstätte des Karlsruher Stadtgründers, Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach.

Karlsruher Pyramide
Die Pyramide auf dem Karlsruher Marktplatz markiert das Grab des Karlsruher Stadtgründers. IMAGO/Joko

Weinbrenners Pyramide auf dem Schloss

Diese Pyramide wird nun bei den Schlosslichtspielen selbst zum Motiv: Der chinesische Künstler Henry Hu greift sie in seiner Installation „Mirage“ auf und projiziert ihre Form auf die Fassade des Schlosses, wie Sebastian Klein vom ZKM erklärt.

Hu ist einer der Gewinner des „BBBank Awards im Projection Mapping“, der in diesem Jahr zum sechsten Mal ausgeschrieben wurde. Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt haben laut ZKM insgesamt 118 Konzepte eingereicht. Drei davon erhielten den mit 15.000 Euro dotierten Preis.

Ihre Arbeiten sind am 13. August zum Auftakt der Schlosslichtspiele erstmals zu sehen. Neben Henry Hu wurden auch das tschechische Kollektiv Metanoia Creatives und das indische Studio Moebius X Three Oscillators ausgezeichnet.

Schlosslichtspiele 2025
Auch im Jahr 2026 rechnen die Veranstalter der Schlosslichtspiele mit großem Besucherandrang. IMAGO/Tim Carmele

Bauten, Installationen und Formen – bei den Schlosslichtspielen werden sie miteinander verbunden. Ein Spiel mit dem Raum, erklärt Alistair Hudson, Mitglied im Kuratorium der Schlosslichtspiele: „Architektur ist nicht nur die Konstruktion von Gebäuden, sondern auch die Räume dazwischen: die Straßen, Gassen, Plätze, Parks und Lichthöfe.“

Acht neue Lichtshows an der Karlsruher Schlossfassade

Neben ihren Installationen werden auch fünf weitere neue Shows am Karlsruher Schloss zu sehen sein, kündigen die Macher an. Die Reihenfolge, in der sie zu sehen sein werden, sei dabei immer wieder eine andere, erklärt Klein vom ZKM und verweist auf den entsprechenden Abendspielplan.

Bauwerke in Karlsruhe von Friedrich Weinbrenner: die evangelische Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz.
Die Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz steht direkt gegenüber des Rathauses.

Auch in der Evangelischen Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz, die ebenfalls nach Weinbrenners Entwürfen erbaut wurde, kann das Publikum in den kommenden Wochen zeitgenössische Medienkunst erleben.

An mehreren Abenden im August und September ist dort die Installation „Echo einer Ordnung“ des Medienkünstlers Nikolaus Völzow zu sehen. Mit Einbruch der Dunkelheit bringt er den modernen Innenraum mit historischen Kirchenbildern und -fenstern zum Leuchten. Weinbrenners Architektur trifft dabei auf die digitale Kunst Völzows – Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich im Licht.

Innenraum der Kirche (Installation)
Die Evangelische Stadtkirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gemäß der Originalpläne wiederaufgebaut. Im modernen Kircheninneren sind nun Völzows Lichtinstallationen zu sehen. KME/Jürgen Rösner

Historisch und digital

Das zeigt sich auch rund um das Schloss, wenn die modernen und abstrakten Lichtprojektionen auf das historische Schloss wieder beginnen: Familien, Freunde und Paare sitzen auf Picknickdecken, essen, trinken und verfolgen gemeinsam das Spektakel auf der Fassade.

Die Schlosslichtspiele feiern nicht nur Weinbrenners Architektur, sondern auch die digitale Kunst und das gemeinsame Erleben von Stadtraum. Oder, wie Alistair Hudson vom Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) es nennt: „Die Freude am urbanen Leben.“

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