Wenn die Sonne untergegangen und das Karlsruher Schloss zur Projektionsfläche geworden ist, dann ist in Karlsruhe wieder Zeit für die Schlosslichtspiele. Die historische Fassade verwandelt sich in eine Leinwand mit bewegten Bildern. Formen lösen sich auf und Räume entstehen neu.
In diesem Jahr blickt das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) dabei zurück auf einen Mann, dessen Schaffen die Stadt bis heute prägt: Friedrich Weinbrenner. Anlässlich seines 200. Todestags beschäftigen sich die Schlosslichtspiele insbesondere auch mit seiner Architektur.
Weinbrenner ist in Karlsruhe überall
Kein Zufall, denn wer durch Karlsruhe geht, begegnet seinen Bauwerken an vielen Stellen: der Marktplatz mit seiner Pyramide, die Stadtkirche, das Markgräfliche Palais oder das einstige Ettlinger Tor – all diese Bauwerke sind mit Friedrich Weinbrenner (1766–1826) verbunden.
Besonders auffällig sind Weinbrenners Vorliebe für die klassizistischen Formen der Antike. Das zeigt sich etwa an der Stephanskirche, die Experten zufolge an den Pantheon in Rom erinnert.
Doch zu den wohl auffälligsten Bauwerken Weinbrenners gehört ohne Zweifel die Pyramide auf dem Karlsruher Marktplatz. Sie markiert die Grabstätte des Karlsruher Stadtgründers, Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach.
Weinbrenners Pyramide auf dem Schloss
Diese Pyramide wird nun bei den Schlosslichtspielen selbst zum Motiv: Der chinesische Künstler Henry Hu greift sie in seiner Installation „Mirage“ auf und projiziert ihre Form auf die Fassade des Schlosses, wie Sebastian Klein vom ZKM erklärt.
Hu ist einer der Gewinner des „BBBank Awards im Projection Mapping“, der in diesem Jahr zum sechsten Mal ausgeschrieben wurde. Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt haben laut ZKM insgesamt 118 Konzepte eingereicht. Drei davon erhielten den mit 15.000 Euro dotierten Preis.
Ihre Arbeiten sind am 13. August zum Auftakt der Schlosslichtspiele erstmals zu sehen. Neben Henry Hu wurden auch das tschechische Kollektiv Metanoia Creatives und das indische Studio Moebius X Three Oscillators ausgezeichnet.
Bauten, Installationen und Formen – bei den Schlosslichtspielen werden sie miteinander verbunden. Ein Spiel mit dem Raum, erklärt Alistair Hudson, Mitglied im Kuratorium der Schlosslichtspiele: „Architektur ist nicht nur die Konstruktion von Gebäuden, sondern auch die Räume dazwischen: die Straßen, Gassen, Plätze, Parks und Lichthöfe.“
Acht neue Lichtshows an der Karlsruher Schlossfassade
Neben ihren Installationen werden auch fünf weitere neue Shows am Karlsruher Schloss zu sehen sein, kündigen die Macher an. Die Reihenfolge, in der sie zu sehen sein werden, sei dabei immer wieder eine andere, erklärt Klein vom ZKM und verweist auf den entsprechenden Abendspielplan.
Auch in der Evangelischen Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz, die ebenfalls nach Weinbrenners Entwürfen erbaut wurde, kann das Publikum in den kommenden Wochen zeitgenössische Medienkunst erleben.
An mehreren Abenden im August und September ist dort die Installation „Echo einer Ordnung“ des Medienkünstlers Nikolaus Völzow zu sehen. Mit Einbruch der Dunkelheit bringt er den modernen Innenraum mit historischen Kirchenbildern und -fenstern zum Leuchten. Weinbrenners Architektur trifft dabei auf die digitale Kunst Völzows – Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich im Licht.
Historisch und digital
Das zeigt sich auch rund um das Schloss, wenn die modernen und abstrakten Lichtprojektionen auf das historische Schloss wieder beginnen: Familien, Freunde und Paare sitzen auf Picknickdecken, essen, trinken und verfolgen gemeinsam das Spektakel auf der Fassade.
Die Schlosslichtspiele feiern nicht nur Weinbrenners Architektur, sondern auch die digitale Kunst und das gemeinsame Erleben von Stadtraum. Oder, wie Alistair Hudson vom Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) es nennt: „Die Freude am urbanen Leben.“