Klimawandel und Skitourismus in den Alpen

Wie der Tiroler Künstler Lois Hechenblaikner die vermeintliche Alpin-Idylle enttarnt

Der Tiroler Fotograf und Künstler Lois Hechenblaikner untersucht die Tourismus-Industrie in den Alpen. Nun hat er 300 alte Skier in einen Speichersee für die Herstellung von Kunstschnee verpflanzt - ein künstliches Schilf als Ausrufezeichen in Zeiten des Klimawandels.

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Von Autor/in Andreas Langen

Gegen Ende der Sommersaison ist es schon empfindlich kühl auf dem Wilden Kaiser, dem Hausberg der Gemeinde Ellmau in Tirol. Drunten im Dorf pilgern die Touristen in T-Shirts zum Drehort der ZDF-Serie „Bergdoktor“; hier oben auf gut 1500 Metern zieht der Tiroler Fotograf und Künstler Lois Hechenblaikner wasserfeste Handschuhe an. Dann geht er über groben Schotter am Ufer eines kleinen Sees zu einem Boot.

Porträt Fotograf und Künstler Lois Hechenblaikner (*1958)
Fotograf und Künstler Lois Hechenblaikner (*1958) befasst sich seit vielen Jahren mit der touristischen Vernutzung von Natur und Kultur im Alpenraum.

300 abgelegte Ski ragen aus dem See

Heckenblaikner inspiziert sein Land-Art-Projekt, dass er hier den Sommer über installiert hat: knapp 300 abgelegte Ski aus dem alljährlichen Müll des Pistenzirkus dümpeln senkrecht aus dem Wasserspiegel. Sehr zur Verwunderung der Touristen, die den Teich als Idyll wahrnehmen. 

Heckenblaikner: „Da hat sie gesagt, das ist für die Kühe, damit die was zum Trinken haben. Sag ich, nein, daraus soll Schnee gemacht werden. Und das war so verrückt. Die hat sich dann am Geländer festhalten müssen, hat einen lauten Schrei ausgestoßen: Was? (..) Ich bin ja schon fünf Jahre hier zum Skifahren und ich habe das nicht gewusst!“ 

Kunstinstallation von Lois Hechenblaikner: Rund 280 Skier ragen aus dem künstlichen Speichersee am Hartkaiser
Installation „Schnee von Morgen“ von Lois Hechenblaikner in Ellmau am Wilden Kaiser, Speicherteich Hartkaiser, Bergbahnen Wilder Kaiser.

Die vermeintliche Viehtränke ist Kunstschnee-Wasserspeicher

Die vermeintliche Viehtränke droben am Berg ist High-Tech-Infrastruktur: einer von knapp 160 Kunstschnee-Wasserspeichern in Tirol. Die braucht´s für den gigantischen Skizirkus der Region mit ihren rund 25 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Die künstlichen Schilfrohre aus alten Skiern, die Hechenblaikner jetzt hineingepflanzt hat, machen daraus ein Landschaftsbild mit eingebautem Konstruktionsfehler.

Kunstinstallation von Lois Hechenblaikner: Rund 280 Skier ragen aus dem künstlichen Speichersee am Hartkaiser
Eine Installation des Künstlers und Fotografen Lois Hechenblaikner (*1958) zu den Folgen des Klimawandels für den Skitourismus in der Alpenregion.

 „Meine Idee war immer, hinter die Bühne zu blicken. Was bleibt nach einer Wintersaison zurück?  Welche Bilder entstehen, wenn der Gast abgereist ist? Was bleibt auf der Hinterbühne?“ 

Radikaler Gegenentwurf zum heimeligen Alpin-Kolorit

Mit diesem Fokus beobachtet Lois Hechenblaikner als Fotograf schon seit 30 Jahren die Auswüchse des Alpen-Tourismus. Seine Installation im Speichersee trägt den Titel „Schnee von Morgen“. Es ist ein radikaler Gegenentwurf zum heimeligen Alpin-Kolorit beim „Bergdoktor“. Zwar fühlt auch der Künstler seinen Zeitgenossen den Puls, aber mit anderen Diagnosen.

Man merkt einfach, dass hier die Angst im Körper der Menschen steckt, weil eben die Winterindustrie, die Schneesport-Industrie, ein Ablaufdatum hat.

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