Wimmelbilder voll tierähnlicher Gestalten
Weiß getünchte Räume, an den Wänden lehnen großformatige Kohlezeichnungen. Viel schwarze Farbe, nur wenig helle Fläche. Düstere Wimmelbilder voller Gestalten halb Mensch, halb Tier.
Ist das brutaler Kampf oder eine Orgie? Kraftvolle Darstellungen von Sagen aus der griechischen Mytholgie. Können die Bilder überhaupt verstanden werden, wenn man die Sagen nicht kennt?
„Ich setze ein bestimmtes Wissen voraus“
Eigentlich müsste doch neben jedem Bild eine kurze Erklärung stehen. Thomas Duttenhoefer verneint vehement: „Ich setze ein bestimmtes Wissen voraus. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich, das ist mir klar“, so der Künstler.
„Ich muss es nicht jedem aufs Auge drücken. Jeder spürt durch diese Arbeiten seine eigenen Assoziationen und Empfindungen.“ Professor Thomas Duttenhoefer, graues Haar, Vollbart, dunkle, verschmitzte Augen gucken einen aufmerksam durch eine randlose Brille an, braucht keine Fragen. Er kommt gleich ins Erzählen.
Thomas Duttenhoefer hat die Schule gehasst
Hunderte spannende Geschichten kann der Zeichner und Bildhauer, der sich selbst Bildner nennt, erzählen. Aus dem Bauch heraus kann er Verbindungen schaffen zur christlichen Religion, zur Literatur von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, um dann den Bogen über Musikgeschichte letztendlich zur Malerei zu schlagen.
Wie kann jemand so viel Bildung in sich vereinen, der selbst Schule und Lehrer gehasst hat? Der mit 17 von der Schule abgehen durfte, um dann ohne Abitur an der Fachhochschule für Gestaltung in Wiesbaden Bildhauerei zu studieren.
Er hat sich das alles angelesen. Nächtelang. Sogar der Zivildienst Anfang der 1970er-Jahre im Altenheim hat ihn künstlerisch weitergebracht. „Sterbende betreut, gewaschen und gepflegt, nach dem Exitus Kinn hochgebunden. Durch diesen Zivildienst kam ich wieder zum Menschen in seiner antromorphen Form“, sagt Thomas Duttenhoefer.
Respektvoller Umgang mit seinen Studierenden
Der Künstler, der seit den späten 1970er-Jahren mit seiner Familie in einem Atelierhaus der Darmstädter Künstlerkolonie lebt, war als Dozent in Mainz und Wiesbaden tätig, hatte Professuren an den Hochschulen in Trier und Mannheim inne.
Anders als er Schule erlebt hat, war es ihm wichtig, seine Studierenden immer respektvoll zu kritisieren. Thomas Duttenhoefer: „Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Es geht um konstruktive Kritik und nicht um einen fertig zu machen.“
Streng im Urteil, humorvoll im Erzählen
Zum Schluss noch die Frage, warum der Künstler, der in dieser Ausstellung in Speyer einen Querschnitt seines Lebenswerks zeigt, so gänzlich auf Farbe verzichtet. „Ich bin ein Mann, der mit Formen zu tun hat, der vom Plastischen herkommt. Farbe ist nicht ganz einfach. Es gibt wenig gute Maler, die wissen, was Fläche ist“, so der Künstler.
Klare Kante, auch das ist Thomas Duttenhoefer. Sehr streng in seinen Aussagen und dennoch ein verschmitzter, humorvoller Erzähler.
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