Ob auf der Straße, dem Friedhof oder vor der Silhouette eines riesigen Radio-Teleskops - die Menschen auf Moritz Kochs Bildern schauen ferngesteuert aus, wie Puppen, die in eine Kulisse hineingestellt wurden.
Seine Foto-Inszenierungen wirken gespenstisch, mystisch, rätselhaft. Und sie erinnern an eingefrorene Filmszenen: „Das bleibt eigentlich eine Frage an unsere Fantasie, was da vorher passiert sein könnte und was da nachher passieren wird. Das reizt mich persönlich auch sehr am Medium der Fotografie“, erklärt der Fotograf Moritz Koch.
Atmosphärisch dichte Momentaufnahmen
Die Ausstellung im Landesmuseum Mainz zeigt ein gutes Dutzend von Moritz Kochs jüngsten Fotografien. Auf einer Autobahn stehen Oldtimer im Stau. Die Fahrer und Fahrerinnen sind ausgestiegen und blicken gebannt auf einen Punkt, der außerhalb des Bildes liegt. Was mag vorgefallen sein,? Landet da gerade ein UFO?
Ein anderes Bild zeigt ein einsames Kind auf einer überwucherten Straße, umgeben von Nebelschwaden, Bäumen und Dunkelheit. Es schaut in Richtung einer Lichtquelle, deren Ursprung im Verborgenen liegt.
Es sind atmosphärisch dichte Momentaufnahmen, die der Autodidakt Moritz Koch wie ein Regisseur am Filmset mit enormem Aufwand realisiert. Für seine Foto-Sessions plant er monatelang im Voraus. Ohne akribische Vorbereitung und einen großen Stab an Freiwilligen wären sie nicht möglich.
Teilweise bis zu 200 Komparsen
Die Kunst liegt für ihn daher nicht nur im fertigen Bild, sondern auch im kollektiven Produktionsprozess: „Weil schon während der Entstehung der Kunstwerke Menschen zusammengebracht werden, sowohl vor der Kamera als auch hinter den Kulissen“, sagt Koch gegenüber SWR Kultur. „Teilweise sind da ja bis zu 200 Komparsen dabei. Die lernen sich kennen, die kommen zusammen und wir werden zusammengeschweißt durch unser gemeinsames Vorhaben.“
Um das zu unterstreichen, zeigt die Ausstellung auch sogenannte "Behind the scenes"-Videos, darunter Drohnen-Aufnahmen von den Produktionen, aber auch Clips, die die Crew bei der Arbeit hinter der Kamera zeigen.
Mit Hilfe von VR-Brillen kann das Publikum sogar komplett in die Bildwelten von Moritz Koch eintauchen. Um eine Rund-Um-Illusion zu erzeugen, hat er einige seiner Settings mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen.
Surreale Bilder und existenzielle Fragen
Das Genre der inszenierten Fotografie ist nicht neu. Und Moritz Koch macht auch kein Geheimnis daraus, wen er zu seinen Vorbildern zählt. Anleihen bei den Bildern des US-amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson sind nicht zu übersehen.
Er finde es aber gar nicht schlimm, wenn Menschen die Ähnlichkeiten wahrnehmen, so Koch. Auch Gregory Crewdson wurde schließlich unter anderem inspiriert von Steven Spielberg. „Das ist eigentlich eine schöne Fortsetzung von einem wirklich tollen Werk. Und das ist für mich eher ein Kompliment, denn ich habe Hochachtung vor Gregory Crewdson.“
Moritz Kochs surreale Bilder werfen existenzielle Fragen auf, nach dem Sinn des Lebens, aber auch nach der Zukunft der Menschheit. Dabei setzt er auf eine Art retro-futuristische Ästhetik, die er durch Oldtimer und Architektur aus den 1960er-Jahren erzeugt.
In den vergangenen Jahren tauchte Moritz Koch immer wieder in den Medien auf, wenn er nach Komparsinnen und Komparsen für seine Fotoprojekte suchte. Im Landesmuseum Mainz kann man nun endlich die mehr als außergewöhnlichen Ergebnisse sehen.
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Bereits während des Ersten Weltkriegs produzierte er mehrere Reportagebilderreihen wie "Ruhe an der Westfront" oder "Vom Schwein bis zur Wurst", später dann die berühmte Serie "Ein Tag im Leben Mussolinis". Seine Bildberichte in der "Münchner Illustrierten Presse" pflegte er mit dem Pseudonym "MAN" zu zeichnen. 1934 emigrierte er nach England, da er "mit der Hitlerei" nichts zu tun haben wollte.
Im Interview von 1983 berichtet er von den frühen Jahren.