Der nun ausgezeichnete Gedichtband „Der große Wagen“ ist bereits der vierte der Autorin Nadja Küchenmeister. In ihm blättert die Lyrikerin Erinnerungen an ihre Kindheit in Ost-Berlin auf und spürt in Lissabon einer verlorenen Liebe nach. Für die großen Themen Vergänglichkeit, Verlust und Abschied findet Nadja Küchenmeister einen ganz eigenen Tonfall zwischen Großstadtblues und filigranen Sprachminiaturen.
Die Preisverleihung erfolgte am 10. April 2026 in Staufen im Breisgau. Die Reden und Lesungen dieses Festaktes können unten auf dieser Seite angehört werden.
Die Jury in ihrer Begründung:
Im Zeichen des weitleuchtenden Sternbilds blendet Nadja Küchenmeisters Langgedicht „Der Große Wagen“ drei Szenarien ineinander: Das Wuhletal steht für den Abschied von den Eltern. Köln inszeniert die Dichterin als transitorischen Berufsort, der sich als stetes Willkommen und Abschied definiert. Lissabon, als wäre es die Stadt eines bis heute nachhallenden Erdbebens, wird zum Schauplatz einer Liebe, die auf unergründliche Weise aus den Fugen gerät.
Prägnant, eindringlich, anspielungssicher und präzise entfalten Küchenmeisters Gefühlsstudien Nähe und Menschlichkeit. Seite für Seite fügen sich je exakt acht reimlose Dreizeiler zu weitgespannten Bilderbögen. Orientierung bietet stets der Blick zum sternenklar Leuchtenden. Mit den Worten „ich sehe den großen Wagen und alles, was war“ setzt Küchenmeisters Band ein, und noch in Lissabon scheint zukunftsversprechend: „über dem tejo / aufgespannt der große wagen.“
Jury
Der siebenköpfigen Jury aus Autor:innen, Literaturkritiker:innen und -wissenschaftler:innen gehören in diesem Jahr an: Alexandru Bulucz (Berlin), Gregor Dotzauer (Berlin), Maren Jäger (Berlin), Christian Metz (Aachen), Holger Pils (München), Brigitte Schwens-Harrant (A – Wien) sowie Lara Sielmann (Berlin). Den Vorsitz hat Frank Hertweck (Südwestrundfunk), den stellvertretenden Vorsitz Ariane Limberg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg).
Der Peter-Huchel-Preis
Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1984 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen. Er ist mit 15 000 Euro dotiert.
Der Preis erinnert an den Namensgeber Peter Huchel, den bedeutenden Lyriker und langjährigen Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Huchel starb am 30. April 1981 in Staufen im Breisgau.
Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören u. a. Elke Erb, Thomas Kling, Friederike Mayröcker, Judith Zander und zuletzt Olga Martynova.