Das Erbe der Kriegsenkel

Autor Matthias Lohre über Kriegsenkel-Erfahrungen: „‘Reiß dich zusammen‘ habe ich auch noch oft gehört“

Am 8. Mai wurde in Europa an das Ende des zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert. Die Generation der Zeitzeugen ist fast verschwunden, aber ihre oft traumatische Erfahrungen haben sie an ihre Kinder weitergegeben, und diese wiederum an die Enkelgeneration.

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Zu der gehört auch der Autor Matthias Lohre, der seine Erkenntnisse im sehr persönlichen Buch „Das Erbe der Kriegsenkel“ zusammengetragen hat.

Seine Eltern hätten immer irgendwie abwesend gewirkt, der Vater seine Ruhe haben wollen – Folge einer stramm nationalsozialistischen Erziehung, so Lohre in SWR Kultur am Abend. Die Aufforderung „Reiß Dich zusammen“ habe er selbst von seinen Eltern auch noch häufig zu hören bekommen.

Typische Verhaltensweisen für Kriegsenkel seien Bindungsschwierigkeiten, das Gefühl, nicht zu genügen und der Wunsch, die Eltern zu trösten. Mit seinen Erfahrungen ist Lohre nicht alleine: obwohl das Buch schon einige Jahre alt ist, erhält er bis heute Zuschriften darauf.

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Fabian Elsäßer
Interview mit
Matthias Lohre