Diskutiert auf Platz 1 der SWR Bestenliste Juni 2025
Die Amerikanerin Nell Zink, 1964 in Kalifornien geboren, lebt seit 2013 in der brandenburgischen Kleinstadt Bad Belzig. Sie spricht mittlerweile ausgezeichnet Deutsch, schreibt ihre Romane aber nach wie vor in englischer Sprache.
Und was für Romane! Klug und reflektiert, abgründig, rasant und vor allem immer wieder hochkomisch sind Zinks Bücher. In „Virginia“ führte Zink am Beispiel einer lesbischen Frau, die mit einem schwulen Dichter eine Ehe eingeht, die Doppelmoral der amerikanischen Gesellschaft vor. In „Das Hohe Lied“ fächerte sie ein politisches und soziales Panorama auf, das über mehrere Generationen hinweg die Stadt New York und deren Veränderungen porträtiert.
Und jetzt? Hat Nell Zink tatsächlich einen satirischen und gewitzten Berlin-Roman geschrieben, den sie selbst, wie sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erzählte, für ein durch und durch realistisches Buch hält, in dem sie ihren Freunden in den USA einen Ausschnitt von Deutschland habe zeigen wollen. So kann man das natürlich auch sehen. Es geht um eine Literaturpreisverleihung und um ein anschließendes Abendessen, um eine Schriftstellerin, einen Kunstkritiker und seine trans Tochter.
Vor allem aber geht es darum, dass Zink einen bitterbösen und gnadenlosen Blick auf den deutschen Kulturbetrieb und seine Auswüchse wirft. So witzig und zugleich ohne Rücksicht auf Verluste kann nur eine souveräne Autorin schreiben, die sich nicht darum schert, ob sie etwas zu verlieren haben könnte.