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Ralf Rothmann: Museum der Einsamkeit

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Am 10. Mai hat Ralf Rothmann seinen 72. Geburtstag gefeiert. Seit mehr als 30 Jahren, seit seinem Debütroman „Stier“ im Jahr 1991, bereichert der in Schleswig geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Rothmann die deutschsprachige Literatur mit Gedichten, Romanen und Erzählungen. In allen Gattungen ist er gleichermaßen stark, mit einem ausgezeichneten Gespür für Timing, sprachlich einfühlsam und authentisch, in seinen Stoffen oft autobiografisch um sein eigenes Leben kreisend.

So auch in der Auftakterzählung zu seinem neuen Erzählungsband, der neun neue Texte enthält: Der Ich-Erzähler ist ein junger Mann, der sich in den 1970er-Jahren in einem ehemaligen Karmeliterklosters am Rand des Ruhrgebiets auf einer sogenannten Lehrbaustelle für Maurer, Betonbauer und andere Handwerksberufe aufhält. Rothmann ist gelernter Maurer, wie seine Leser wissen.

Er trifft den Sound der Zeit ebenso präzise wie die zum einen abgeklärte, zum anderen aber auch verunsicherte Gefühlslage seines Protagonisten. Der Umgangston ist rau, die Gepflogenheiten rüpelhaft. Der Ich-Erzähler hält sich raus und ist zugleich in Gedanken bei seiner Freundin, die ihn offenbar im entscheidenden Augenblick ihrer Beziehung angelogen hat.

„Romantischer Realismus“ ist wohl die treffendste Beschreibung für Rothmanns Poetik. Er hat stets betont, dass ein rein intellektueller Ansatz beim Verfassen seiner Texte ihn nicht interessiert. Er zielt auf Stimmungen, starke Bilder, Musikalität in der Sprache. Man könnte fragen, wann dieser Autor endlich den Büchnerpreis erhält.

Ein neuer Erzählungsband von Ralf Rothmann Im „Museum der Einsamkeit“ versammelt Ralf Rothmann neun neue Erzählungen

Neue Erzählungen von Ralf Rothmann – sie erzählen vom Altern und von der Würde in manchmal schwierigen Verhältnissen.
Alexander Wasner im Gespräch mit Christoph Schröder

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