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Thomas Melle: Haus zur Sonne

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Thomas Melle ist bipolar. Das gesamte Werk des 1975 in Bonn geborenen Schriftstellers kreist im Grunde um diese psychische Disposition. Sein bekanntestes Buch heißt „Die Welt im Rücken“, mit dem Melle im Jahr 2016 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand und der das Protokoll einer inneren Raserei mit Abstürzen und Höhenflügen ist, mit peinlichen und erniedrigenden Situationen, dem Verlust der Bibliothek inklusive.

Sein letzter Roman „Das leichte Leben“, erschienen vor drei Jahren, rief bestenfalls gemischte Reaktionen hervor; nun nimmt Melle in einem neuen Verlag einen neuen Anlauf: „Die Zusage steckte in einem bläulich schillernden Umschlag. Ich riss ihn auf, warf ihn achtlos auf den Boden, wo er beleidigt vor sich hin schimmerte, und las, dass mein Antrag angenommen sei. Die Nachricht wühlte mich nicht auf, noch ließ sie mich kalt. Selbstverständlich freute ich mich. Aber ich freute mich auch über die Selbstverständlichkeit, mit der ich die Nachricht hinnahm. Meinem Status wurde schlichtweg entsprochen, so empfand ich es. Und mein Leben war vorbei.“

„Haus zur Sonne“ ist die Romanfassung eines Bühnenstücks von Thomas Melle. Besagtes Haus ist ein futuristisches Wellnessresort. Eine Institution, in der Menschen leben, die aussortiert wurden oder sich selbst aus dem Spiel genommen haben. Ein staatlich subventioniertes Projekt, in dem die Probanden ihre Wünsche erfüllt bekommen, um dann unauffällig und freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Wieviel Selbstbestimmung hat man noch, wenn man erst einmal dort gelandet ist? Und wie reagiert ein solches System auf Störungen? Depression, Todessehnsucht und Aufbegehren fließen hier ineinander.

Ein Zeichen der Hoffnung Voller großer, scharfer Traurigkeit: Thomas Melles Roman „Haus zur Sonne“

Der Theaterautor und Romancier ist an „Bipolar I“ erkrankt, darüber hat Melle bereits geschrieben. Nun legt er ein weiteres Werk mit autobiographischen Zügen vor.

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