Platz 10 (21 Punkte)

András Visky: Die Aussiedlung

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Ein Roman ohne Punkt, aber mit Kommata. Wie bei jedem guten Buch, in dem die vermeintliche Sperrigkeit ästhetisch schlüssig begründet ist, findet man auch in den Roman des 1957 geborenen András Visky bald hinein, in seinen Rhythmus, seinen Takt, seinen Sog:

wenn unser Vater in eine für ihn unbekannte Situation kam, setzte er stets auf Bibelpoker, spontan zitierte er etwas aus dem heiligen Buch, ohne sich klar darüber zu sein, warum genau diese Bibelstelle, er sprach einfach laut aus, was aus ihm herauswollte, er sprach es aus, weil er es aussprechen musste, keineswegs, weil der wohlklingende Satz so passend war oder irgendeine Erklärung für die betreffende Sachlage hätte bieten können,...

Kein Punkt. So beginnt eines der 822 kurzen Kapitel. Der Vater, Ferenz Visky, der Bibelpoker spielt, ist Pastor. Im Jahr 1958 wird er von den rumänischen Stalinisten zu einer mehr als zwanzigjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Seine Familie, die Ehefrau und sieben Kinder, wird „ausgesiedelt“. Ein Euphemismus. Sie kommen in ein Lager in der Steppe, im Südosten Rumäniens.

András Visky ist eines der sieben Kinder, das jüngste; es ist die Geschichte seiner Familie, die er erzählt; die Geschichte vom rumänischen Gulag, dessen Grausamkeiten konterkariert werden von Zusammenhalt und Überlebenswillen; die Erfahrungen sind grundiert von einem tiefreligiösen Motivgeflecht, das in „Die Aussiedlung“ auch eine Quelle von Trost, Geborgenheit und Erzählungen ist.

András Visky ist Dramaturg am ungarischen Theater in Cluj; er hat Theaterstücke, Essays, Gedichte und nun einen Lagerroman geschrieben, dessen Motto vom großen Nobelpreisträger Imre Kertész stammt: Demnach sei die Hoffnung das Instrument des Bösen. Visky erzählt gegen das Böse an.

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András Viskys erschütternder Lagerroman Vom Leben in einem Erdloch

András Visky erzählt in seinem autobiografischen Roman von einer Familie, die im kommunistischen Rumänien in die Steppe deportiert wird und in Erdlöchern hausen muss.

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SWR