Auf dem Programm im Künstlerhaus Edenkoben stand zum Auftakt Anna Felnhofers viertplatzierter Roman „Prosopon“ (Luftschacht Verlag), der auf dem Podium zur unterschiedlich beantworteten Frage führte, wie elaboriert, angemessen oder überfrachtet und überambitioniert die Erzählformen dieser Prosa seien.
Eindimensional oder bezaubernd?
George Sands später Roman „Nanon“, den Elisabeth Edl für den Carl Hanser Verlag ins Deutsche übertragen hat, steht auf Platz drei der Bestenliste im Mai.
Die gutmütige Titelfigur, die sich durch die Wirren der Französischen Revolution schlägt, wird von Gerrit Bartels als „eindimensional“ bezeichnet.
„Ich habe ein anderes Buch gelesen“, kontert Daniela Strigl und nennt Nanon, die sich von einer Analphabetin zur Grundbesitzerin entwickelt, eine „bezaubernde Heldin“.
Dissens trübt die gute Stimmung nicht
Thomas Hettches zweitplatzierter Roman „Liebe“ (Kiepenheuer & Witsch Verlag) spaltet die Jury genauso wie der Spitzenreiter der Bestenliste im Mai, Lukas Rietzschels deutsch-deutscher Epochen- und Episodenroman „Sanditz“ (dtv).
Daniela Strigl spricht vom „altmeisterlichen Werk eines talentierten Jungautors“, dem es an sprachlicher Innovation fehle – Kirsten Voigt lobt die detaillierten Schilderungen der Schlusspassagen aus dem Ukraine-Krieg. Der Dissens aber trübt die gute Stimmung in der Diskussion bis zuletzt nicht.
Aus den vier Büchern lasen Isabelle Demey und Johannes Wördemann. Durch den Abend führte Carsten Otte.
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