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Jon Fosse: Vaim

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Stellen Sie sich vor, Sie hätten irgendwann einmal ein Buch des Norwegers Jon Fosse gelesen und hätten danach den Entschluss gefasst, das nicht noch einmal zu tun. Vielleicht, weil das mystisch aufgeladene Schweigen Sie genervt hat. Oder weil der katholische Subtext in Fosses Geschichten Ihnen zu aufdringlich vorkam. Könnte ja sein. Und dann kam das Jahr 2023, und der Sekretär der Schwedischen Akademie trat wie jedes Jahr im Oktober aus der Tür des Beratungssaales vor die Presse und sagte den Namen „Jon Fosse“. Und Sie dachten sich: „das darf doch nicht wahr sein!“

Sollte das so gewesen sein, dann versuchen Sie es mit diesem Buch einfach noch einmal. Die Fosse-Gemeinde, und die ist wirklich groß, wird „Vaim“ ohnehin lesen. Und an alle dezidierten Nicht-Fosse-Leser ist das wirklich wunderschöne „Vaim“ ein Angebot.

„Vaim“ ist der Auftakt zu einer Trilogie; mit seinen 150 Seiten ist der Roman ein schmales und gleichwohl beeindruckendes Werk. Doch wenn der Begriff „Traumlogik“, nach deren Gesetzen Figuren handeln und Dinge sich ereignen, irgendwo seine Berechtigung hat, dann hier. „Vaim“ erinnert darin an einen anderen großen Norweger, der allerdings nie den Nobelpreis erhalten hat; an Tarjei Vesaas nämlich, dessen Romane in den vergangenen Jahren wiederentdeckt wurden.

„Vaim“ hat drei Kapitel und drei Erzählstimmen. Im ersten fährt ein Mann namens Jatgeir mit seinem Boot in die Stadt, um Nähgarn zu kaufen. Das Boot heißt Eline, nach seiner großen Liebe. Die trifft er zufällig nach Jahrzehnten auf dem Rückweg wieder, und Eline bleibt bei ihm. Das zweite Kapitel erzählt Jatgeirs bester Freund; das dritte Elines Ex-Mann. Das klingt unspektakulär, ist in Wahrheit aber eine Aneinanderreihung von unerhörten Ereignissen, geschrieben in einer soghaften Sprache ohne Interpunktion.

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SWR