Dorota Masłowska, geboren 1983, war 18 Jahre alt, als sie ihren Debütroman schrieb. Da ging sie noch zur Schule. Originalgetreu übersetzt lautete der Titel „Polnisch-russischer Krieg unter weiß-rotem Banner“; in Deutschland erschien das Buch zwei Jahre später in der Übersetzung von Olaf Kühl unter dem Titel „Schneeweiß und Russenrot“ und wurde auch hierzulande ein Erfolg. Die Autorin beschrieb darin ihre Generation im Polen der Gegenwart, deren Perspektivlosigkeit und Ängste im postkommunistischen Polen.
Der Nachfolgeroman „Die Reiherkönigin“ wurde in Polen scharf kritisiert für seinen Zynismus und seine aggressive Sprache. Das ist zwanzig Jahre her; im Jahr 2023 wurde Masłowska mit einem bedeutenden polnischen Kulturpreis ausgezeichnet, ist also eingefriedet worden. Oder doch nicht? Heimelig kommt der neue Roman „Im Paradies“ jedenfalls nicht daher. Wie auch, spiegelt er doch die Gegenwart in der Zerrissenheit, in der sie sich nun einmal gerade befindet.
Die polnische Autorin verbindet und trennt Figuren unterschiedlichster Milieus auf überraschende und oft schroffe Weise, darunter einen Banker auf der Suche nach dem sexuellen Kick und eine Schwimmerin in Seenot. Die Sprache ist hart wie gewohnt, aber unter der kalten Oberfläche zeigt sich auch die Zärtlichkeit der Charaktere. Manchmal wundern sich die Figuren über die selbstzerstörerische Wirkkraft der Gefühle:
„Mein Herz war immer eine latente Bombe gewesen, und in jenem Herbst ist sie mit besonderer Grausamkeit explodiert. Verletzt hat sie dabei vor allem mich selbst.“