In ihrem vierten Roman erzählt die 1989 geborene Schweizerin Laura Vogt eine stille und eindringliche Geschichte von Verlust und Trost.
Spuren von Wasser, von Regen, gemischt mit den Spuren von Fortpflanzung: Ein gelblicher Pollenfilm, eingetrocknet als Tropfenmuster, klebt an der Fensterscheibe vor mir, der Scheibe vor meinem Schreibtisch. Es sind die Spuren eines Versuchs fortzubestehen, eines Versuchs zu bleiben.
Fein ausgearbeitet ist diese Prosa; sie hat einen Tonfall und ein reduziertes Tempo, in dem die poetischen Bilder sich langsam entwickeln. Es geht um die Schriftstellerin Alina, deren Onkel Per im Sterben liegt.
Per ist der Bruder ihres Vaters, der die Familie verlassen hat, als Alina zwölf Jahre alt war. Der Onkel wurde zum Ersatzvater für Alina. Geschickt webt Laura Vogt ein Motivgeflecht: Es geht um Materie, um die Textur von Leben, um das, was von einem Menschen bleibt, wenn er geht. Staub, Kalk.
Der Großvater hat sich intensiv mit Mineralien beschäftigt. Der Vater hat sich buchstäblich dematerialisiert, aus dem Staub gemacht. Der Onkel wird verbrannt und kehrt als Staub zurück.
Und Lina, die sich fragt, von welcher Last das eigene Leben beschwert ist, meldet sich für einen Kurs an, in dem es um die Technik des Freilegens geht. Und genau das macht auch Laura Vogt: Sie trägt sorgfältig Schichten ab.