Abdelwahab Meddeb, geboren 1946 in Tunis, gestorben 2014 in Paris, galt als „mutiger, großer Gelehrter und Poet“, wie es in einem Nachruf hieß. Er war ein Aufklärer und Bekämpfer fundamentalistischer Tendenzen im Islam. Anders formuliert: Man würde ihn heute dringend brauchen. Meddeb kam in jungen Jahren nach Frankreich, studierte Literatur und Kunstgeschichte und arbeitete anschließend als Lektor im Verlag Éditions du Seuil.
Für „Das Licht von Marrakesch“ hat seine Ehefrau Amina Meddeb, promovierte Anthropologin und ebenfalls Lektorin, eine Auswahl von Texten zusammengestellt, die ihr Mann in seinen sogenannten „Carnets de Marrakech“ gesammelt hat: Reisenotizen, die von den 1960er- bis in die späten 1990er-Jahre hineinreichen. Skizzen von Begegnungen, Eindrücken, Erlebnissen. Beobachtungen von Veränderungen in der Stadt. Marrakesch erscheint in diesem Buch als ein stetig pulsierendes Zentrum, geprägt von den Wechselwirkungen unterschiedlicher Religionen und kultureller Einflüsse. 6000 handschriftliche Seiten in 79 Heften, die gesichtet werden mussten. Meddeb hat in seinen Stadterkundungen alle Sinne auf Empfang gestellt. Er registriert ein Spalier der Bettler, die Reihen der Händler, Gerüche und Farben mit der gleichen Aufmerksamkeit und Wertschätzung wie die Architektur oder den Himmel.
Ein „Adept der Irrfahrt“ sei er, so Meddeb, „wenn ich die Luft von Marrakesch als eine der Epiphanien beschreiben möchte, die den Bewusstseinsstrom des Kosmopoliten unterbrechen, ein neuartiger Nomade“. Dieses Buch ist mehr als ein Reiseführer. Es ist ein literarisches Angebot zum Mitgehen und Mitschauen und dadurch auch zum Verstehen.