Platz 8 (26 Punkte)

Yevgeniy Breyger: hallo niemand

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Lyrik ohne Sicherheitsgurt: Outis ist der Spitzname des Odysseus, das griechische Wort für „niemand“. Mit diesem Kniff überlistet Odysseus den einäugigen Zyklopen Polyphem. Den blendet Odysseus, und das Rufen des Riesen – „niemand hat mich geblendet“ – verhallt ohne Wirkung. Yevgeniy Breyger, im ukrainischen Charkiw geboren, in Magdeburg aufgewachsen und heute in Wien lebend, hatte „hallo niemand“ bereits so gut wie fertig, als der russische Angriff auf die Ukraine ihn zwang, zu einem weniger avancierten künstlerischen Sprechen zu finden. Breyger schrieb „Frieden ohne Krieg“ und erregte damit große Aufmerksamkeit. Nun aber ist „hallo niemand“ erschienen, und Breyger bezieht sich im Titel explizit auf Homer.

Was Breyger in seinem „Roadtrip in Versen“, so der Untertitel, entfesselt, ist schon allerhand: Breygers Motor. Nichts denken, die Sätze machen lassen, schauen, was passiert. Oder anders: Die Geburt der Geschichte aus dem Geist der Buchstaben.

Die Reise mit einem Audi – lateinisch für „Horch!“ – beginnt in Magdeburg und führt nach Wien ins obere Belvedere-Schloss, wo Gustav Klimts berühmtestes Gemälde „Der Kuss“ hängt. Danach rasen Ich und Niemand zu einem Zirkus, bei dem der Erzähler eine Schweinenummer vorführt, als hätte die Göttin Kirke ihn persönlich verwandelt. Über den Naschmarkt von Wien geht die wilde Fahrt nach Hamburg, wo der Erzähler in einer Folterkammer landet, die Gregor Gysi mit den zwei Schmidts betreibt, mit Helmut und Harald. Alle verführerisch wie die Sirenen in superengen, kurzen Bluejeans-Shorts.

Das klingt äußerst bizarr, ist aber längst nicht alles. Wir hören Zank und Streit im Hause Gottes, der Schöpfer klagt über seine Schöpfung und die Geschöpfe beschweren sich über den nicht ganz so allmächtigen Demiurgen. Yevgeniy Breygers Roadtrip ist definitiv ein Trip, der keine Grenzen anerkennt.

Yevgeniy Breyger – hallo niemand Rasanter „Roadtrip in Versen“ von Yevgeniy Breyger

Eine wilde Odyssee kreuz und quer durch das Land. Ein Roadtrip, der keine Grenzen kennt. „hallo niemand“, das neue Buch von Yevgeniy Breyger ist Lyrik ohne Sicherheitsgurt.
Rezension von Frank Hertweck

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SWR