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Michael Wildenhain: Das Ende vom Lied

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Das geteilte Berlin des Kalten Krieges ist ein spannungsreiches Gelände, das bis in die Gegenwart hinein Autorinnen und Autoren produktiv macht. Michael Wildenhain kennt dieses Gelände wie kaum ein anderer. Er gilt als einer der literarischen Chronisten West-Berlins. Wildenhain wurde 1958 in Charlottenburg geboren, gehörte in den frühen 1980er-Jahren zu einer Gruppe von jungen Hausbesetzern in Berlin und veröffentlichte zu dieser Zeit auch bereits sein erstes Buch.

„Das Ende vom Lied“ ist ganz sicher ein Höhepunkt in Wildenhains literarischem Schaffen, zu dem auch Lyrikbände und Theaterstücke gehören. Obwohl Wildenhain die Epoche und die Schauplätze genau kennt, beharrt er darauf, dass sein Roman von einer Autofiktion weit entfernt ist. Es ist das Jahr 1969. So setzt das Buch ein: „Wir kommen von unserem ersten Erkundungsgang durch die neue Gegend, mein Vater und ich.“ Die neue Gegend, das ist die Belziger Straße. Man ist umgezogen von Charlottenburg nach Schöneberg. Das Berlin, das Wildenhain schildert, ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. In manchen Hinterhöfen hält man noch Kühe. Kriegsruinen prägen nach wie vor das Stadtbild. Es ist eine Stadt, die für den 13-jährigen Ich-Erzähler unendliche Freiräume und Gefahren bietet. Auf der Straße gilt das Gesetz des Stärkeren, also meldet der eher schüchterne Junge sich zum Boxtraining an.

Das ist nicht der einzige Schmerz: Er beobachtet, wie die Ehe seiner Eltern zerbricht. Er schließt sich einer Jugendgang an, deren älterer Anführer seine Brutalität nicht zügelt. Und er verliebt sich in dessen Freundin Alina. Die Handlung von „Das Ende vom Lied“ umfasst etwa neun Monate. Michael Wildenhain sagt, dass sein Erzähler in diesem Zeitraum gefühlt um fünf oder gar zehn Jahre altere. Ein Deutschlandbuch und ein Entwicklungsroman im Schnelldurchgang.

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SWR