Porträt dreier Menschen, die Leben nach Patagonien brachte

Claudio Magris' Essays „Kreuz des Südens. Drei wahre unwahrscheinliche Leben“

„Seid ihr Pinguine?", fragten die indigenen Bewohner Feuerlands, als sie die Missionsschwestern um Angela Vallese erstmals zu Gesicht bekamen. Auch die beiden anderen Europäer, die Claudio Magris in „Kreuz des Südens“ beschreibt, sorgten in Patagonien für Staunen.

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Von Autor/in Eberhard Falcke

Patagonien erschien die längste Zeit weit entfernt und menschenleer. Umso markanter heben sich alle Figuren und Ereignisse ab, die dennoch Leben in diese weiten Landschaften gebracht haben. Einige dieser Menschen porträtiert Claudio Magris in seinem Buch „Kreuz des Südens. Drei wahre unwahrscheinliche Leben“.

Und in all diesen historisch authentischen Lebensläufen steckt viel von der Dramatik, die für das von Europäern kolonisierte Argentinien typisch ist. Magris konzentriert sich in seinen Essays auf drei Ausnahmegestalten, die den Zusammenstoß zwischen Ansässigen und Ankömmlingen zu mildern versuchten.  

Der slowenische Patagonier 

Der erste von ihnen ist der aus Zagreb gebürtige Janez Benigar. Er kam 1908 in Buenos Aires an, reiste direkt nach Patagonien weiter und schon zwei Jahre später war er mit der Nichte eines indigenen Kaziken verheiratet.  

Der Slowene, der sich auch als Araukaner und Sohn Patagoniens bezeichnet, ist kein Revolutionär, sondern ist für die kleinen, doch entscheidenden Schritte, die lokalen Reformen. Er hasst Ungerechtigkeit und kämpft für ihre Beseitigung.

Obwohl studierter Ingenieur hatte sich Benigar in seinem Einreisevisum als Arbeiter bezeichnet, und tatsächlich kannte seine Produktivität kaum Grenzen. Eigenhändig legte er Bewässerungssysteme an, er schrieb Bücher über Leben, Sprache und Weltsicht der Auraukaner, er gründete eine Weberei und wurde Vater von fünfzehn Kindern. Mit gutem Grund wurde der Mann in Patagonien zur legendären Figur.  

Leider überfrachtet der grenzenlos belesene Professor Magris sein Porträt von Benigar mit einer solchen Fülle an gebildeten Verweisen und akademischen Lesefrüchten, dass zwar quasi alles gesagt wird, was die Bibliotheken hergeben, die Darstellung aber weder gedanklich noch erzählerisch in Fluss kommt.  

König und Missionarin 

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Aufsatz, der ebenfalls einer interessanten, aber vor allem kuriosen Figur gewidmet ist: nämlich dem französischen Anwalt, der sich 1860 selbst als Aurelio-Antoine I. zum König von Araukanien und Patagonien erklärte.

Besser steht es dagegen um den dritten Essay, die anrührende Geschichte der italienischen Nonne Ángela Vallese, die 1888 in der einstigen Strafkolonie Punta Arenas an Land ging.

Unerschrocken verrichtete sie Missionsarbeit bei den indigenen Bewohnern Feuerlands und der Magellanregion, die sie als gleichberechtigt ansah, ohne ihnen die Aufgabe ihrer Identität abzuverlangen. 

Sie versucht, ihnen den Geruch des Weihrauchs zu ersparen, weil sie versteht, dass sie diesen genauso verabscheuen, wie sie selbst das ranzige Walöl. Sie ist nicht schockiert, wenn die Männer kaum bekleidet sind und die Frauen nackt ankommen und nach Schiffszwieback fragen.

Das antarktische Grauen 

Es sind zweifellos außergewöhnliche Menschen, die Magris uns hier vorstellt, aber ihre ganz besondere Aura erhalten sie vor allem durch die fernen Weltgegenden, in die sie sich vorgewagt haben.

Der Autor selbst geht sogar noch weiter, wenn er zum Abschluss mit Blick auf die polaren Regionen dem, wie er es nennt, „weißen antarktischen Grauen“ gedanklich nachspürt, über das Edgar Allan Poe oder Jules Verne geschrieben haben.

Diese Seiten gehören zu den besten des Buches von Claudio Magris, das nur zum Teil überzeugen kann.  

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Autor/in
Eberhard Falcke