„Ich bin kein Experte fürs Stottern. Ich habe das nur.“

„Jetzt sag doch endlich was“: David Hugendick hat ein Buch übers Stottern geschrieben

David Hugendick stottert. Vom Sprechen mit mehr Zeitbedarf erzählt er mit in seinem halb-autobiographischen Buch: „Jetzt sag doch endlich was“.

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David Hugendick ist Redakteur bei der ZEIT. Wenn er schreibt, schreibt er die eloquentesten Glossen des deutschen Feuilletons. Wenn er spricht, stottert er. Aber viel weniger als früher. „Das hat natürlich mit intensiver Sprechtherapie zu tun“, sagt Hugendick auf SWR Kultur.

„Irgendwann hat man ja eine kleine Logopädie-Karriere hinter sich, und dann hat man einen kleinen Handwerkskasten, mit dem man eingreifen kann, wenn man merkt, dass es gleich passiert.“

Es heißt: Im Satz taucht ein Wort mit einem fiesen Anfangsbuchstaben wie W oder D oder T auf. Darüber stolpert David Hugendick auch heute noch manchmal.

David Hugendick
David Hugendick

Sprechen als Komödie

Nun hat er ein halb-autobiographisches Buch über das Stottern geschrieben. Sprechender Titel: „Jetzt sag doch endlich was“. Es ist ein essayistisches Buch, in dem man nebenher auch ein bisschen übers Stottern lernt: Statistiken, Neurologie und Physiognomie.

Außerdem über große Stotterer in Literatur und Film. Trotzdem ist das Buch weder Ratgeber noch Sachbuch.

„Ich bin ja kein Experte fürs Stottern. Ich habe das ja nur“, freut sich David Hugendick. Wie er seine persönliche Geschichte des Stotterns überhaupt mit viel Witz angeht. „Ich habe versucht, das Sprechen ein bisschen als Komödie zu begreifen“, meint er.

Schreckgespenst Schulreferat

„In der Schule habe ich mich zum Beispiel vor Referaten gefürchtet, und ich habe in Vorstellungsrunden ungern meinen Namen gesagt.“

Hugendicks Witz ist grundiert von einer ganz leichten Verzweiflung über die Grobheiten der Welt. Denn so richtig lustig war es natürlich nicht immer, als stotterndes Kind auf einem Bremerhavener Schulhof aufzuwachsen. „Früher war das Stottern natürlich viel stärker mit Scham behaftet gewesen“, erinnert er sich.

„In der Schule habe ich mich zum Beispiel vor Referaten gefürchtet, und ich habe in Vorstellungsrunden ungern meinen Namen gesagt.“ Mit den Jahren veränderte sich das aber. „Je älter ich wurde, desto leichter fühlte sich das an. Hätte ich jetzt nicht das Buch geschrieben, hätte ich fast ein bisschen vergessen, dass ich stottere.“

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Bitte keine performative Empathie

Und wie sollte man einem Stotterer idealerweise zuhören? „Bitte nicht dieses übermäßig zugewandte Zuhören, da das immer sowas performativ Empathisches hat!“ Das ist ein Zuhören mit großen Augen und viel Nick-Support.

„Und auch nicht die Sätze oder Wörter für jemanden zu Ende sprechen. Weil das oft auch die falschen Wörter sind. Also mit Stotterern einfach so reden, wie man mit anderen Leuten auch redet.“

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Katharina Borchardt
Gespräch mit
David Hugendick