In Karl-Heinz Otts neuem Roman ist die philippinische Insel Luzon ein Ort letzter Hoffnungen.
Hier treffen zwei deutsche Paare aufeinander, von denen jeweils ein Partner todkrank ist: Bock, ein cholerischer Theatermann, ist an Krebs erkrankt, seine Frau Gela ist von Mann und Leben enttäuscht. Auch der Ethiklehrer Tom steckt in einer Sinnkrise, während seine Frau Rikka an Krebs erkrankt ist.
Blutige Prozeduren versprechen heilende Wirkungen
Bei einem Wunderheiler in den Bergen unterziehen sich die Todkranken obskuren und blutigen Behandlungen. Diese Prozedur hat Karl-Heinz Ott 2004 selbst miterlebt, als er einen Freund dorthin begleitete.
„Anfangs dachte ich, mir wird schlecht. Aber am zweiten Tag schaute man schon nicht mehr so genau hin. Das Ganze wiederholt sich, eine große Blutsauerei. Dann wird es abgewischt und man sieht am Körper danach überhaupt nichts“, erinnert sich der Autor heute.
Flotter Roman über das Menschsein
Vor allem Amerikaner und Europäer suchten in den 1970er- und 1980er-Jahren zu Tausenden Genesung bei sogenannten Geistheilern. Bis heute reisen Todkranke deshalb in den asiatischen Inselstaat.
„Es ging alles sehr schnell. Flink huschten die Hände des Heilers hin und her, bis zu den Schenkeln hinunter in kreisenden Bewegungen. Einmal drückte er seine Fäuste tief in den Bauch hinein, Blut spritzte hoch. Auch hinter dem Ohr zog er einen Fetzen hervor, ohne dass Bock das geringste Anzeichen von Schmerz zeigte.“
Ob hier Wunderkräfte am Werk sind, oder pure Scharlatanerie, lässt Ott in seinem Roman offen. Die Helden könnten aber auch ganz andere Wunder gut gebrauchen. Die unterschiedlichen Charaktere und wechselnde Perspektiven führen beim Lesen durch einen flotten Roman, der auch über das Menschsein an sich erzählt.
Tropen, Tod und Hahnenkämpfe „Die Heilung von Luzon“: Neuer Roman von Karl-Heinz Ott, dem Spezialisten für verpasste Lebenschancen
Zwei Berliner Paare bei einem Wunderheiler auf den Philippinen. Die Kranken hoffen auf ein paar Lebensjahre mehr, die Gesunden auf den Ausbruch aus verkrusteten Verhältnissen.