Die Welt geht unter am 9.9.1999 um 09:09 Uhr
Wir schreiben das Jahr 1999, die Welt steht kurz vor ihrem Untergang. Am 9. September um punktgenau 9:09 Uhr soll sie mit einem bislang unbekannten Planeten kollidieren. Die Menschheit scheint kurz vor ihrem Ende zu stehen.
All das bekommt der 14-jährige Hajime hautnah mit. Bei einer Explosion sind seine Eltern ums Leben gekommen, er lebt nun bei seinem Onkel, dem Direktor einer Sternwarte, unter dessen Leitung die Berechnungen zur bevorstehende Kollision durchgeführt werden. Dort lernt er auch Yayoi, die rätselhafte Assistentin seines Onkels, kennen.
Sehr schnell muss Hajime herausfinden, dass sich um die intergalaktische Bedrohung eine Intrige spinnt, in die eine Geheimorganisation namens „Die Diebe der tausend Jahre“ involviert ist. Und er erfährt, dass die Explosion in seinem Elternhaus kein Unfall war – und dass Yayoi irgendwie in die ganze Affäre verwickelt zu sein scheint.
Einer der einflussreichsten Manga-Autoren erstmals auf Deutsch erhältlich
Es ist alles andere als ein aktueller Trendtitel, den sich der Carlsen Verlag mit „Königin der 1000 Jahre“ gesichert hat. Der fünfbändige Science-Fiction-Manga entstand zwischen 1980 und 1983. Mit ihm erscheint erstmals ein Comic von Leiji Matsumoto, einem der einflussreichsten Manga-Künstler des 20. Jahrhunderts, in deutscher Sprache.
Der 1938 in der Nähe von Fukuoka geborene Comic-Autor und Regisseur begann seine Autorenkarriere in den 1950er-Jahren. Der Durchbruch gelang ihm Anfang der 1970er-Jahre mit der Western-Serie „Gun Frontier“ und „The Cockpit“, einer Kurzgeschichten-Reihe über Piloten im Zweiten Weltkrieg, letztere eine Hommage an seinen Vater, der selbst als Pilot im Krieg diente und der Matsumotos Werk nachhaltig prägte.
Fast alle von Matsumotos Weltraum-Erzählungen gelten heute als Klassiker des japanischen Comics. Sie wurden vielfach verfilmt und werden in ihren Verfilmungen auch in Deutschland seit langem veröffentlicht.
Meister der melancholischen Weltraum-Romantik
Internationale Berühmtheit erlangte er jedoch vor allem als Autor sogenannter Space Operas: Seine romantisch-melancholischen Science-Fiction-Geschichten lösten in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren auch im Westen einen ersten großen Anime-Boom aus. Im Zentrum von Matsumotos Comics stehen dabei immer wieder einsame Heilsfiguren mit pazifistischen Idealen.
Mit „Captain Harlock“ ersann er etwa einen Weltraum-Piraten, der als Gesetzloser gegen die Ignoranz der Menschheit und außerirdische Kriegsmächte ankämpft. Der vor allem in Japan beliebte Manga „Galaxy Express 999“ hingegen liest sich wie ein gezeichneter Bildungsroman über die Vergänglichkeit. Hier erzählt Matsumoto von einem Waisenjungen, der in Begleitung einer geheimnisvollen Frau in einem Weltraum-Zug zu fernen Planeten reist, um einen Maschinenkörper und ewiges Lebens zu erlangen.
Zeichentrickserie erschien vor mehr als 30 Jahren in Deutschland
Dass trotz der internationalen Popularität erst im Jahr 2026 ein Manga aus der Feder von Leiji Matsumot in Deutschland erscheint, überrascht beinahe. „Königin der 1000 Jahre“ erschien auf dem Höhepunkt von Matsumotos kreativen Schaffens, spielt dabei jedoch im umfangreichen Œuvre des 2023 verstorbenen Zeichners eher eine nachgeordnete Rolle.
Dennoch wird die Reihe in Deutschland auf ein besonders nostalgisches Publikum treffen: Hierzulande wurde „Königin der 1000 Jahre“ Anfang der 1990er-Jahre als Zeichentrickserie beim Privatsender Tele 5 ausgestrahlt und galt für rund 30 Jahre als verschollener Titel. 2023 wurde die Serie in restaurierter HD-Fassung erneut veröffentlicht und sorgte gerade unter älteren Manga-Fans für Jubelrufe.
Empfehlung für alle, die von unendlichen Weiten träumen
Das Alter merkt man Matsumotos Comic beim Lesen an. Im Vergleich mit modernen Science-Fiction-Titeln wirkt „Königin der 1000 Jahre“ in Erzählstil und Bildführung eher konservativer und gerade auf den ersten 50 Seiten versucht Matsumoto derartig viele Themen einzuweben, dass es nicht einfach ist, der Handlung zu folgen. Das gehetzte Tempo lässt den Comic mitunter etwas naiv wirken.
Doch es ist gerade diese blauäugige Weltsicht, der man als Leser durch die Augen der Hauptfigur Hajime folgt, die das Lesen dennoch zum freudigen Erlebnis macht.
Das Staunen über den unendlichen Weltraum und der Thriller-Plot um die interplanetare Verschwörung machen „Königin der 1000 Jahre“ auch mehr als 40 Jahre nach seiner Entstehung zu einem gelungenen Einstieg in die Bild- und Gedankenwelten Leiji Matsumotos. Auch dank der flüssigen Übersetzung aus dem Japanischen von Jens Ossa.
Carlsen veröffentlicht den Manga-Klassiker in einer Liebhaber-Edition mit Hardcover, einordnenden Kurzartikeln und einer Fülle von Farbseiten zum ansonsten schwarz-weiß gezeichneten Comic. Eine Empfehlung für Science-Fiction-Liebhaber, Comic-Nostalgikerinnen und alle, die von den unendlichen Weiten des Weltraums träumen.