Angela Steidele über ihren Roman „Ins Dunkel“

„Meine erste große Liebe war Greta Garbo“

Mit Greta Garbo und Erika Mann sitzen wir in einem verschneiten Schweizer Dorf und blicken zurück. „Ins Dunkel“ ist Angela Steideles feministische Antwort auf Thomas Manns „Der Zauberberg“.

Teilen

Stand

Ein Roman als Film

Zuerst sitzen wir im Dunklen. Angela Steidele platziert uns mit den ersten Zeilen ihres Romans in einem Kinosaal. Auf der Leinwand entspinnt sich eine Szene im Schnee: Greta Garbo eilt durch die Schweizer Landschaft.

„Wir sehen beim Lesen einen Film“, sagt die Autorin Angela Steidele im Gespräch mit SWR Kultur. Diese Erzählhaltung werde den ganzen Roman über durchgehalten. Doch nach und nach wird einem klar: Dieses Dunkel hat auch eine metaphorische Ebene. Denn Angela Steidele folgt den Größen des Films wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich durch die dunklen Seiten des 20. Jahrhunderts.

Der Film als Propagandawerkzeug

Den Anstoß dazu hat der Film „Königin Christine“ gegeben, mit Greta Garbo in der Hauptrolle - Steideles „erste große Liebe“. Sie recherchierte zu Garbos Leben und ihren Filmen und wurde zur Expertin.

Diese Leidenschaft für Stumm- und Tonfilme blieb lange Zeit privat. Bis Steidele klargeworden sei, „dass heutzutage die filmchenbasierten sozialen Medien und die digitale Revolution, also ein krasser Medienwechsel, einen starken Anteil am neuerlichen Aufkommen des Faschismus haben und der Rückkehr der starken Männer, des Patriarchats, des Angriffs auf Frauenrechte, auf die Demokratie“, so Steidele.

Autorin Angela Steidele
Autorin Angela Steidele

Was ist wahr, was erfunden?

Sie sieht darin Parallelen zum frühen Film, insbesondere beim Übergang vom Stumm- zum Tonfilm ab 1930. Dieser Medienwechsel habe die Wahrnehmung der Wirklichkeit des Publikums erschüttert, sagt Angela Steidele.

Eine Filmproduktionsfirma wie die Ufa sei bewusst gegründet worden, um Propaganda-Filme zu produzieren. Das heißt, „es ging nie um Filmkunst, wie wir das vielleicht denken, sondern um Fälschung von Wirklichkeit“, so Steidele.

Sucht nach großen Gefühlen Mit neuen Büchern von Marco Wanda, Annie Ernaux, Angela Steidele, Thomas Melle und Verena Kessler

Leidenschaftlich geht es im lesenswert Magazin zu: Es wird geliebt, getrunken, gesungen und gelogen – im Kino, auf der Konzertbühne oder im Gym.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Feministische Antwort auf Thomas Manns „Der Zauberberg“

Ihr Roman „Ins Dunkel“ folgt den Spuren großer Filmstars wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich von den 1920er bis in die 40er Jahre. In einem Schweizer Bergdorf blicken Greta Garbo und Erika Mann mit zwei Freundinnen auf diese wechselhafte Zeit, ihre Karrieren und wie sie sich zum Nationalsozialismus verhalten haben, zurück.

Vier Frauen in den verschneiten Schweizer Bergen. Angela Steideles Roman „Ins Dunkel“ sei auch eine „augenzwinkernde feministische Antwort“ auf Thomas Manns „Der Zauberberg“. Gerade bei der Frage, wie es Kunst und Literatur mit der Politik halten, sei Thomas Mann eine besonders interessante Persönlichkeit.

Denn Thomas Manns Werk sei politikfrei und, so Steidele, sogar demokratiefeindlich: „Er hat keine einzige überzeugende Frauenfigur in seinem riesigen literarischen Oeuvre geschaffen. Ich bin Thomas Mann als Epiker unendlich verbunden. Alles, was ich von Erzählen weiß, habe ich von ihm gelernt. Und gleichzeitig bin ich als Demokratin und Feministin von einem wie Thomas Mann tief enttäuscht“, so Steidele.

Sie wünscht sich, dass die Leser und Leserinnen ihres Romans den „Schwung mitnehmen, dass es sich lohnt, für die Demokratie zu kämpfen“.

Buchkritik Thomas Hüetlin – „Man lebt sein Leben nur einmal“

Zwei Deutsche, die an Deutschland litten. Zwei Weltstars, die eine stürmische Liebe erlebten, während Europa am Abgrund stand: Thomas Hüetlin erzählt in seinem neuen Buch „Man lebt sein Leben nur einmal“ von der „grenzenlosen Leidenschaft“ zwischen Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque.
Rezension von Ulrich Rüdenauer

SWR Kultur am Abend SWR Kultur

Gespräch Zauberberg-Wanderung: Zwei neue Romane zum 100. Geburtstag von Thomas Manns „Zauberberg“

Wie deutsch ist Thomas Manns Zauberberg? Zwei neue Romane von Heinz Strunk und Norman Ohler, die die berühmte Sanatoriumsgeschichte aus Davos neu erzählen.
Alexander Wasner im Gespräch mit Beate Tröger

lesenswert Magazin SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Kristine Harthauer
Kristine Harthauer, SWR Kultur Autorin und Moderatorin
Gespräch mit
Angela Steidele