Wie die Psychologie das Böse misst

Psychologische Studie zu „D-Faktor“: Wie böse bin ich?

Ob Narzissmus, Sadismus oder Egoismus: Die Psychologie kennt viele Begriffe für „böse“ Persönlichkeiten. Ein Landauer Forschungsprojekt hat nun den sogenannten „dunklen Faktor“ genauer untersucht.

Teilen

Stand

Ein Faktor statt zahlreiche Eigenschaften

„D-Faktor“ steht für „dark“, also englisch für „dunkel“. Er steht für Persönlichkeitsmerkmale, die zu bösem Verhalten führen – auf englisch „dark traits“.

Prof. Benjamin Hilbig hat mit seinem Team der Rheinland-Pfälzischen Technische Universität Kaiserslautern-Landau genau dieses Phänomen untersucht – ausgehend von der Beobachtung, dass vermeintlich unterschiedliche Formen „böser“ Persönlichkeiten sich nach wissenschaftlicher Betrachtung als sehr ähnlich herausstellen.

Wir wollen die Forschungslandschaft ein bisschen aufräumen. Denn es ist ineffizient, mit etwa 25 bösen Eigenschaften zu hantieren, wenn man de facto nur einen Wert braucht, nämlich den D-Faktor

Selbsttest für den „D-Faktor"

Mit einem Fragebogen untersuchten Hilbig und sein Team verschiedene Aspekte dieser „bösen“ Tendenzen. Darunter etwa: Sind Sie der Meinung, dass man es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen sollte? Oder: Können Sie sich vorstellen, dass es Spaß machen würde, andere Leute zu quälen?

Silhouette einer Person in einer schummrigen Straßenbeleuchtung
Wie böse bin ich? Die Forschenden haben einen Online-Selbsttest entwickelt, mit dem man den eigenen „D-Faktor“ herausfindet. Wirestock

Fast drei Millionen Menschen weltweit haben den Fragebogen bisher ausgefüllt und Hilbig damit Daten für seine Forschung geliefert. Das große Echo erklärt sich Hilbig im Gespräch mit SWR Kultur unter anderem mit dem Interesse vieler, den eigenen „D-Faktor“ herausfinden zu wollen, und das anonym.

Bösartigkeit nimmt im Alter ab

Denn Rückschlüsse auf einzelne Teilnehmende lassen sich aus dem Datensatz nicht ziehen. Dafür aber wissenschaftliche Erkenntnisse: So etwa, dass bösartige Anteile in der Persönlichkeit ohne weiteres Zutun mit dem Alter abnehmen. Auch gesamtgesellschaftlich lassen sich Schlüsse ziehen, so Hilbig.

So förderten bestimmte Umwelteinflüsse den „D-Faktor“ der Bevölkerung. So seien etwa mangelnde Rechtsstaatlichkeit oder weit verbreitete Kriminalität Bedingungen, unter denen das Individuum mit einem höheren „D-Faktor“ im Zweifelsfall Vorteile habe - schlichtweg, weil es existenziell notwendig sei, sich gegen andere durchzusetzen.

Das heißt aber im Umkehrschluss auch: Wir dämmen den „D-Faktor“ auf gesamtgesellschaftlicher Ebene am ehesten ein, indem wir verhindern, dass es existenziell bedrohliche Armut oder Unsicherheit gibt.

Kriminalität Wer wird zum Serienmörder? – Sextäter, Auftragskiller, Todespfleger

Meist geht es um Macht über das Leben, wenn Menschen mehrfach morden. Berufsgruppen, die sich besonders hervortun, sind Ärzte und Pflegekräfte.

Das Wissen SWR Kultur