Der Weltraum ist wieder Thema in Literatur und Popkultur: Erst im vergangenen Jahr gewann Samantha Harvey mit ihrem Roman „Umlaufbahnen“ den renommierten Booker-Prize, der im Weltraum spielt.
Und seit die Popsängerin Katy Perry und Konsortinnen mit einem Privatshuttle ins All geflogen sind, erscheinen Frauen im All nicht mehr nur als Pionierinnen der Raumfahrt.
Nun erzählt der neue Roman „Atmosphere“ der US-amerikanischen Bestseller-Autorin Taylor Jenkins Reid eine fiktiven Geschichte der ersten Frauen im All.
BookTok-Hype: Taylor Jenkins Reid wird weltweit gelesen
Dass die Taylor Jenkins Reid mit ihren Geschichten am Zahn der Zeit ist, haben auch schon ihre vorherigen Romane bewiesen. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und finden weltweit Millionen Lesende. Sie sprechen dabei vor allem ein junges, weibliches Publikum an.
Besonders in den sozialen Medien wird Reid gefeiert. So lässt sich die BookTok-Welt derzeit wohl kaum betreten, ohne Videos aufgelöster Fans zu sehen, die gerade Taylor Jenkins Reids neuesten Roman beendet haben und völlig emotional ergriffen sind.
Erste Romane floppten
Taylor Jenkins Reid wurde 1983 im US-Staat Maryland geboren. Sie machte ihren Abschluss in Medienwissenschaften am Emerson College in Boston. Bevor sie Romanautorin wurde, arbeitete Reid in Los Angeles an Filmproduktionen und schrieb auch bei Fernsehserien mit.
Ihre ersten Romane „Forever, Interrupted“ und „After I Do“, die 2013 und 2014 erschienen sind, fanden wenig Anklang. Erst ihr Roman „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“, der 2017 im Original und 2022 im Deutschen erschien, verschaffte ihr internationalen Erfolg und stürmte vor allem die BookTok-Charts.
Nun warten Fans sehnsüchtig auf die Verfilmung des Buches, die bereits von Netflix angekündigt wurde.
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Frauenfiguren in männerdominierten Bereichen
Reids Geschichten drehen sich immer um starke Frauenfiguren, die sich oftmals in männerdominierten Bereichen wiederfinden. In „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ ist es die titelgebende Hollywood-Ikone Evelyn Hugo, die mit fast 80 Jahren auf ihr Leben zurückblickt.
Sie erzählt von ihren sieben skandalösen Ehen und ihren Erfahrungen als Schauspielerin im männerdominierten Hollywood, bevor sie sich (Achtung Spoiler!) als bisexuell outet.
Der Roman „Carrie Soto is Back“, der 2022 erschienen ist, handelt von der größten Tennisspielerin ihrer Zeit, die nach sechs Jahren im Ruhestand wieder auf den Platz zurückkehrt, um ihre Rekorde zu verteidigen.
Neuer Roman über Astronautin in den 80er-Jahren
Ihr neunter und neuester Roman „Atmosphere“ handelt von der fiktiven Astronomin Joan Goodwin, die in den 1980er-Jahren lebt und kurz davor steht, ihren Kindheitstraum zu erfüllen: Astronautin zu werden.
Mit dem NASA-Spaceshuttle-Programm soll sie als eine der ersten Frauen ins All fliegen. Während ihrer Vorbereitungen auf die Mission lernt sie die Astronautin Vanessa Ford kennen, die die Liebe ihres Lebens werden soll.
Joan ist vom Boden aus zugeschaltet, als das Spaceshuttle mit Vanessa und ihrem Team einen Unfall hat. Vanessa muss das Shuttle nun alleine zurück zur Erde zurückbringen.
Nahbare Figuren und Retro-Stimmung
Fans der Autorin schätzen, dass die Geschichten ihrer Heldinnen so authentisch beschrieben werden, dass es einem so vorkommt, als würde man ein Biopic über real existierende Personen lesen.
Zum Roman „Daisy Jones & The Six“ gibt es mittlerweile auch eine Amazon-Prime-Serie und sogar ein komplettes Album mit Musik dieser fiktiven Band – was den Authentizität-Charakter ihres Werkes nochmal steigert.
Die Autorin lässt ihre Geschichten meistens zwischen den 1960er und -80er Jahren spielen, beispielsweise in Hollywood, am Strand von Malibu oder eben im Weltall, was eine Retro-Stimmung und oftmals eine schillernde Atmosphäre schafft.
Dazu bettet Taylor Jenkins Reid ihre Figuren als moderne Persönlichkeiten mit aktuellen Werten und Themen in die jeweilige Zeit ein – oftmals verknüpft mit einer zeitgemäßen Liebesgeschichte.
Crossover der Figuren
In den meisten ihrer Büchern arbeitet Reid geschickt mit sogenannten Crossovers: Sie lässt viele ihrer Figuren also in einigen ihrer anderen Werke erneut als Nebenrollen auftreten.
Das kommt vor allem bei der BookTok-Community gut an. Es kursieren Videos von Fans, die auf Schautafeln Verbindungen zwischen den einzelnen Romanfiguren aufstellen und darüber spekulieren, welcher Nebenfigur Reid wohl ihren nächsten Roman widmen wird.
Es gibt aber auch Kritik: Zum Beispiel dafür, dass sie als weiße Autorin in „Carrie Soto is Back“ aus einer ihr fremden Perspektive schreibt. Einige Lesende hielten die Darstellungen Protagonistin, die Latina ist, für klischeehaft.
Keine authenthische Darstellung von Bisexualität?
Auch in ihrem Erfolgsroman „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ wird Reid vorgeworfen, nicht authentisch über die Sexualität ihrer Protagonistin zu schreiben.
Erst kurz vor Erscheinen von „Atmosphere“, in dem eine lesbische Liebesbeziehung im Vordergrund steht, outete sich die Autorin im „Time Magazine“ selbst als bisexuell.
Eins ist sicher: Ob in Hollywood, auf dem Tennisplatz oder nun im Weltall – die diversen Frauenfiguren der Erfolgsautorin sind einer weltweiten Leserschaft ans Herz gewachsen.