Heimkehr zum Tigris

Die jüdische Identität der Stadt Bagdad – Usama Al Shahmani erzählt die Geschichte einer Vertreibung

1950 wurden die Juden aus dem Irak vertrieben. Davon erzählt Usama Al Shahmani in seinem Roman „In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied“. Historisch und doch ganz gegenwärtig.

Teilen

Stand

Als Zakai Mieche 2018 in Jerusalem stirbt, hinterlässt er seinen Kindern ein Testament. Er wünscht sich, dass seine Asche zur Hälfte in Jerusalem begraben, zur Hälfte aber auch in Bagdad in den Tigris gestreut wird. Sohn Gadi, der schon seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, übernimmt diese Aufgabe. Mit der Urne im Gepäck fliegt er nach Bagdad.

Usama Al Shahmanis vierter Roman auf Deutsch

Der Autor Usama Al Shahmani stammt selbst aus dem Irak. Er wurde 1971 in Bagdad geboren, musste 2002 wegen eines Theaterstücks fliehen und lebt seither in der Schweiz.

Man kennt ihn als Autor und auch als Kritiker im „Literaturclub“ im Schweizer Fernsehen. „In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied“ ist Usama Al Shahmanis vierter Roman. Er schreibt auf Deutsch.

Die Vertreibung der irakischen Juden 1950

In seinem neuen Roman erzählt er eine Vater-Sohn-Geschichte. Vor allem aber erzählt er ein Stück Geschichte der Stadt Bagdad.

Juden gibt es auf dem Gebiet des heutigen Irak bereits seit rund 3.000 Jahren. Schon das Alte Testament erzählt von Babylonien und Mesopotamien. Noch im Jahr 1950 waren 32% der Menschen in Bagdad Juden. Nach der Gründung des Staates Israel (1948) und dem Palästinakrieg (1947-1949), in dem auch der Irak mitkämpfte, wurden die Juden aus dem Irak vertrieben.

Nationalsozialismus im Mittleren Osten

Auf SWR Kultur berichtet Usama Al Shahmani von seinen historischen Recherchen zur Geschichte seiner Heimatstadt Bagdad. Dazu gehört es auch, dass in den 1930er und 1940er Jahren deutsche Nazis mit arabischen Nationalisten paktierten und dem Antisemitismus im Mittleren Osten Vorschub leisteten.

Außerdem erzählt Usama Al Shahmani, wie der Überfall der Hamas und der sich anschließende Gazakrieg mitten in die Arbeit an seinem Roman platzten.

Die vorchristliche Geisterwelt der Philippinen Paolo Herras & Jerico Marte: Strange Natives

Comic-Erzähler von den Philippinen mögen den Genre-Mix. In „Strange Natives“ zum Beispiel lässt das Autorenduo Paolo Herras und Jerico Marte eine Frau mit übersinnlichen Fähigkeiten in die Geschichte des Landes eintauchen.
Dantes Verlag ( 170 Seiten, 20 Euro)
ISBN 978-3689020064
5. Juni 2024

lesenswert Magazin SWR Kultur

Zeitreise ins Jahr 2119 Ian McEwan: Was wir wissen können

England im Jahr 2119. Literaturwissenschaftler Tom forscht zur Literatur der Jahre 1990-2030. In Ian McEwans neuem Roman „Was wir wissen können“ nimmt die Zukunft uns in den Blick.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Katharina Borchardt
Gespräch mit
Usama Al Shahmani