Die Sonne knallt aufs Fensterbrett, der Urlaub rückt näher und die Suche nach der richtigen Sommerlektüre beginnt. Der Sommer ist nicht nur die Zeit des Entspannens, sondern auch des Übergangs, der Selbstbeobachtung – eine Art persönliche Zwischenzeit.
Diese fünf aktuellen Romane erzählen von Identität, Zugehörigkeit, Liebe und Verlust. Sie sind leicht genug für die Hängematte – und so klug und spannend, dass sie uns auch nach der letzten Seite noch beschäftigen.
- Nina Bußmann: Drei Wochen im August
- Rebecca K. Reilly: Greta & Valdin
- Benjamin Myers: Strandgut
- Maureen Duffy: Kind der Liebe
- Emily Henry: Great Big Beautiful Life
Angespannte Verhältnisse und ökologische Krisen
In „Drei Wochen im August“ von Nina Bußmann reist Elena mit ihrer Angestellten Eve in ein Sommerhaus nach Südfrankreich, um vermeintlich zur Ruhe zu kommen.
Was wie ein klassisches Urlaubsszenario beginnt, entpuppt sich als vielschichtiger, spannungsgeladener Austausch. Die Perspektiven der beiden Frauen liefern dazu das Material: mit persönlichen als auch gesellschaftlichen Problemen.
Ein Urlaubsroman, der es in sich hat Sommerlicher Brutkasten: Nina Bußmann erzählt von „Drei Wochen im August"
Endlich Ferien! Doch der Urlaub am Atlantik mit Mutter, Kindern und Nanny wird zum Kammerspiel. In ihrem neuen Roman erzählt Nina Bußmann von Hitze, Hierarchien und Waldbrand.
Nina Bußmann erzählt von einem Sommer, der sich langsam auflädt. Wie ein heraufziehendes Sommergewitter liegt eine drückende Unruhe über dem Roman – man spürt, dass etwas passieren wird, doch nicht wann. Die ideale Lektüre für schwüle Nachmittage, an denen der Himmel sich verdunkelt und ein Sturm anrollt.
Liebeskummer und bunte Perspektiven
Die namensgebenden Geschwister in „Greta & Valdin“ von Rebecca K. Reilly wohnen in Auckland und haben Liebeskummer. Beide sind queer; ihre Familie hat maorische, russische und katalanische Wurzeln; der Alltag der beiden gestaltet sich chaotisch.
Rebecca K. Reilly thematisiert in ihrem Debütroman gesellschaftspolitische Fragen, ohne sie dabei plakativ in den Vordergrund zu stellen.
„Greta & Valdin“ ist ein Roman über das Erwachsenwerden, mit viel Witz und Wärme, perfekt für sonnige Tage, an denen das Leben leicht wirken darf.
Vom Altern am Meer
Earlon „Bucky“ Bronco, ein gealterter und mittlerweile unbekannter Musiker, reist in „Strandgut“ von Benjamin Myers in ein abgelegenes Küstendorf Englands, um auf einem Festival aufzutreten.
Doch das eigentliche Ereignis ist nicht etwa das Konzert, sondern seine Begegnung mit Dinah, die er mit seiner Musik seit Jahrzehnten berührt. Gemeinsam streifen sie durch Landschaften, Erinnerungen und Gespräche, die zugleich melancholisch und lebensbejahend sind.
Benjamin Myers schreibt zärtlich, poetisch und mit feinem Humor über die Schönheit des Alterns und der Möglichkeit einer Selbsterfindung. Besonders geeignet für laue Sommerabende, an denen man innehalten und dem Leben nachspüren möchte.
Nonbinäre Geschichte, ihrer Zeit weit voraus
1971 schrieb Maureen Duffy „Kind der Liebe“. Der Coming-of-Age-Roman, der nun erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, erzählt von einem Sommer in Italien und einer Familie in einem Fischerdorf. Im Mittelpunkt steht das jüngste Kind der Familie, ein Teenager namens Kit.
Die auf den ersten Blick schlicht wirkende Handlung, entfaltet sich durch eine erzählerische Besonderheit: weder das Geschlecht von Kit, noch das der Affäre der Mutter wird benannt.
Inmitten flirrender Hitze verhandelt Duffy Geschlechteridentitäten und Familienkonstellationen mit einer Selbstverständlichkeit, die ihrer Zeit weit voraus war. Auch Jahrzehnte später könnte der Roman nicht aktueller sein, und liefert diesen Sommer Material zum Nachdenken.
Herzklopfen mit Tiefgang
Was passiert, wenn zwei Journalisten auf einer Insel landen, sich ein Haus teilen – aber über ihre Projekte nicht reden dürfen? Davon erzählt „Great Big Beautiful Life“ von Emily Henry.
Alice liebt Happy Endings, Hayden ist Pulitzer-Preisträger mit Hang zum Zynismus. Was sie nicht wissen: Beide kämpfen darum, wer die Biografie der skandalumwobenen Golferin Margaret Ives Abott schreiben darf. Dabei entwickeln sie Gefühle füreinander.
Emily Henry schreibt nicht nur grandiose Dialoge, sondern kreiert nahbare Figuren mit viel Tiefe. Eine wunderbare Voraussetzung für einen gelungenen Liebesroman, der mehr bietet als die übliche Strandlektüre.