Kirchenmusiker und Hochschul-Professor

Helmuth Rilling ist tot: Gründer der Bachakademie Stuttgart starb mit 92 Jahren

Der Dirigent Helmuth Rilling ist verstorben. Maßstäbe setzte der Stuttgarter Musiker insbesondere mit seiner Auseinandersetzung mit dem Werk Johann Sebastian Bachs.

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Stand

Der Dirigent Helmuth Rilling ist tot. Der Gründer und langjährige Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart starb am Mittwoch im Alter von 92 Jahren im Kreis seiner Familie in Warmbronn. Das teilte sein früherer Manager am Donnerstag mit.

Legendäre Gesprächs-Konzerte

Mit der von ihm gegründeten Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart schuf er einen weltweit renommierten Chor, mit dem er Bach ebenso aufführte wie Brahms, Verdi und Mendelssohn. In Stuttgart rief er 1981 die Internationale Bachakademie ins Leben.

Legendär waren seine Gesprächs-Konzerte, in denen er dem Publikum ein Werk erläuterte und zentrale Passagen daraus live mit den Musikern vorführte. Sie verbanden akademische Vorträge mit Konzerten.

In den 1980er-Jahren hat Helmuth Rilling als erster Dirigent Bachs gesamtes Vokalwerk eingespielt, eine Pionierarbeit. Er wurde zur globalen Instanz für Bach, zum "Bach-Papst" - ein Titel, den er selbst gar nicht mochte.

Ich finde es immer wieder fast komisch, dass man mich so sehr mit Bach identifiziert, mich sogar den Bach-Papst nennt. Etwas, was ich gar nicht mag. Nur Bach zu machen, das wäre mir zu langweilig.

Er war ein musikalischer Brückenbauer

Vor allem war Helmuth Rilling ein musikalischer Diplomat. Er brachte Bachs Musik in die damalige DDR, nach Japan, Südamerika und Osteuropa.

1970 reiste er mit Brahms‘ Requiem im Gepäck als erster deutscher Dirigent nach dem Holocaust nach Israel. Seitdem verband ihn eine besondere Freundschaft mit dem Israel Philharmonic Orchestra.

Helmuth Rilling bei Proben zum Weihnachtsoratorium aus dem Jahr 2000
Helmuth Rilling bei Proben zum Weihnachtsoratorium aus dem Jahr 2000

Als Brückenbauer zwischen Ost und West dirigierte Rilling am 3. Oktober 1990 die Berliner Philharmoniker im Rahmen des Staatsaktes zur deutschen Wiedervereinigung.

Rilling war ein Botschafter der Musik auf den verschiedensten Ebenen. Das zeigte sich auch in seinem Engagement für zeitgenössische Musik. Höhepunkt in dieser Hinsicht war das Jahr 2000: Zum 250. Todesjahr von Bach ließ er von vier Komponisten die vier Passionstexte neu vertonen.

2018 Abschied von der Konzertbühne

Im Jahr 2013 gab Helmuth Rilling im Alter von 80 Jahren seine Gächinger Kantorei, das Bach-Collegium Stuttgart und die Bachakademie an Nachfolger Hans-Christoph Rademann ab.

2017 dirigierte er ein letztes Mal im Rahmen der Bachwoche in Stuttgart. Im Dezember 2018 verabschiedete er sich schließlich von der Konzertbühne.

Für seine Anhänger, aber auch für seine Musikerinnen und Musiker war Helmuth Rilling mehr als nur ein Interpret. Das Miteinander war ihm genauso wichtig wie die Musik, das Menschliche und Zwischenmenschliche.

Zum Tod von Helmuth Rilling Abendkonzert vom 13.2.2026

Johann Sebastian Bach:
Messe h-Moll BWV 232
Sibylla Rubens, Juliane Banse (Sopran)
Ingeborg Danz (Alt)
James Taylor (Tenor)
Andreas Schmidt, Thomas Quasthoff (Bass)
Gächinger Kantorei
Bach-Collegium Stuttgart
Leitung: Helmuth Rilling

Abendkonzert SWR Kultur

200 Kinder singen „Messias“ von Georg Friedrich Händel 10 Jahre „BachBewegt!Singen!“ der Stuttgarter Bachakademie

Über 200 Kinder führen im Rahmen des Förderprogramms „BachBewegt!Singen!“ der Internationalen Bachakademie Stuttgart den „Messias“ von Georg Friedrich Händel auf.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Redakteur/in
Eva Pobeschin
Onlinefassung
Janine Putzek
SWR-Reporterin Janine Putzek.

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